Verbuschung und Problempflanzen auf der Alp
Inhaltsverzeichnis
Warum Alpweiden entbuschen?
Problematik
Die Alpweiden machen rund ein Drittel der Landwirtschaftsflächen der Schweiz aus. Für die alpenden Landwirt/innen sind die Alpweiden wirtschaftlich wichtig, da sie ihre Tiere im Sommer auf die Alp bringen und ihre Heimflächen für die Produktion von Winterfutter nutzen können. Durch die jahrhundertelange extensive Beweidung hat sich auf den Alpweiden ausserdem eine charakteristische und ökologisch wertvolle Biodiversität etabliert. Durch das Offenhalten der Kulturlandschaft ist die Alpwirtschaft auch für das Landschaftsbild verantwortlich, wie wir es im alpinen Berggebiet kennen.
Die Weidefläche in der Schweiz nimmt heute vor allem in Grenzertragslagen (arbeitsintensive Standorte) stetig ab. Wegen der Ausbreitung von Verbuschung und Verwaldung verschwinden im Sömmerungsgebiet jährlich 2’400 Hektaren Weidefläche.
Die folgenden Satellitenaufnahmen zeigen zwei Beispielflächen im Sömmerungsgebiet, die zwischen 1946 (oben) und 2025 (unten) teils verbuscht sind.
Die Alpwirtschaft verliert so jedes Jahr einen Teil ihrer Produktionsgrundlage. Neben dem Verlust von wertvollem Kulturland und der Veränderung des Landschaftsbilds, hat die Verbuschung auch ökologische Folgen.
Steigt die Strauchbedeckung über 60%, sinkt die Biodiversität. Bei einer Verbuschung mit Grünerlen gibt es schon ab deren Beginn einen unmittelbaren und starken Verlust in der Artenvielfalt. Da die Grünerle die häufigste Strauchart in der alpinen Verbuschung ist, hat die Verbuschung weitreichende ökologische Folgen. Mit einer zunehmenden Waldbedeckung, vor allem in steilem Gelände, steigt ausserdem die Gefahr von grossen Waldbränden.

Zu berücksichtigen ist jedoch, dass Verbuschung nicht immer nur negativ ist und ausserdem nicht überall verhindert werden kann. Grundsätzlich handelt es sich um einen natürlichen ökologischen Prozess der, je nach Klima, Teil der Sukzession bzw. der Entwicklung von Wiese zu Wald ist. Wenn die Verbuschung nicht durch Grünerlen geschieht und die Strauchbedeckung nicht überhandnimmt (max. 60%), steigen zuerst die strukturelle Vielfalt und die Biodiversität. An gewissen Standorten kann die Verbuschung als Zwichenschritt der Verwaldung auch erwünscht sein, z.B. wenn die Schutzfunktion eines Waldes gestärkt werden soll.
➔ Forschungsstudien zur Verbuschung von Alpweiden
Ursachen

Die Gesamtanzahl an gesömmerten Tieren hat in den letzten 25 Jahren um circa 6’000 Normalstösse (NST) zugenommen. Zwischen den Tierkategorien fanden gleichzeitig Verschiebungen statt, welche die Entwicklung auf den Talbetrieben widerspiegeln, z.B. den Wandel von der Milchkuh- zur Mutterkuhhaltung.
Auf den Talbetrieben werden heute produktivere und schwerere Tierrassen gehalten als früher, die sich im Sömmerungsgebiet anders bewegen oder für die Sömmerung nicht geeignet sind.
Die Beweidung der Alpweiden verändert sich dementsprechend: Schwer zugängliche Flächen werden weniger genutzt, während die gut erreichbaren Flächen intensiver beweidet werden. Diese bipolare Entwicklung wird durch weitere Faktoren vorangetrieben.
Obwohl die Anzahl der gesömmerten Tiere seit 2000 insgesamt gestiegen ist, sinkt die Anzahl der Sömmerungsbetriebe konstant. Heute arbeiten weniger Personen in der Alpwirtschaft als früher, es stehen also weniger Hände für den laufenden Unterhalt der Weiden und die gezielte Weideführung der Tiere zur Verfügung. Das Alppersonal kommt häufiger aus einem landwirtschaftsfernen Umfeld und fluktuiert stärker, was den Transfer von alpspezifischen Erfahrungen und Wissen erschwert.
Durch die Grossraubtierpräsenz ändern sich die Weidesysteme, vor allem in der Schafalpung. Um den Schutz der Tiere zu gewährleisten, weiden die Herden statt im freien Weidegang vermehrt unter ständiger Behirtung oder in vollständig umzäunten Koppeln. Die Beweidung geschieht so gezielter. Wo der Herdenschutz aufgrund der Lage oder Topografie jedoch nicht gewährleistet werden kann, werden gewisse Flächen weniger beweidet oder aufgegeben.
Mit dem Klimawandel steigen die Temperaturen und die Vegetationszeit im Sömmerungsgebiet verlängert sich. Gleichzeitig kommen Niederschläge unregelmässiger vor und es gibt häufigere Trockenheitsperioden. Dadurch wird das Wachstum von Büschen gefördert und die Waldgrenze steigt. Ausserdem gibt es nicht auf allen Alpweiden Wasser – bei Trockenheit können die Tiere auf solchen Flächen nicht weiden und sie werden schlechter bewirtschaftet.
Diese unterschiedlichen Faktoren spielen je nach den Bedingungen eines Standorts – Lage über- oder unterhalb der Waldgrenze, Exposition, Neigung, usw. – eine unterschiedlich starke Rolle bei der Verbuschung.
➔ Wissensportal Alpwirtschaft – Statistiken zur Sömmerung
➔ Wissensportal Alpwirtschaft – Tierarten und -rassen auf der Alp
➔ Agrarbericht 2025 – Gesucht: Treues Alppersonal
Rechtliche Grundlagen
Die Offenhaltung der land- und alpwirtschaftlichen Flächen ist ein zentraler Aspekt sowohl der agrar- wie auch der umweltpolitischen Ziele des Bundes und wird deshalb mit Direktzahlungen gefördert. Die Verordnung über die Direktzahlungen an die Landwirtschaft (DZV) bildet die gesetzliche Grundlage dafür, dass Sömmerungsweiden vor Verbuschung geschützt und Problempflanzen reguliert werden müssen.
Relevante DZV-Artikel
- Schutz vor Verbuschung und Vergandung (Art. 29 Abs. 1)
Die Weiden im Sömmerungsgebiet müssen vor Verbuschung und Vergandung mit geeigneten Massnahmen geschützt werden.
- Bekämpfung von Problempflanzen und Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Art. 32 DZV)
Problempflanzen wie Blacken, Ackerkratzdisteln, weisser Germer, Jakobs- und Alpenkreuzkraut müssen bekämpft werden. Besonders deren Ausbreitung ist zu verhindern.
Herbizide dürfen zur Einzelstockbehandlung eingesetzt werden, soweit ihre Verwendung nicht verboten oder eingeschränkt ist. Zur Flächenbehandlung dürfen sie nur mit Bewilligung der zuständigen kantonalen Fachstelle und im Rahmen eines Sanierungsplans eingesetzt werden.
- Mulchen zur Weidepflege und zur Bekämpfung von krautigen Problempflanzen (Art. 29 Abs. 4 DZV)
Zur Weidepflege und zur Bekämpfung von krautigen Problempflanzen ist das Mulchen zulässig.
Die Gras- und Krautnarbe muss dabei intakt bleiben.
Naturschutzflächen dürfen nicht gemulcht werden.
➔ Naturschutz.ch – Übersicht und Karte der Schutzgebiete der Schweiz
➔ Wissensportal Alpwirtschaft – Bundesverordnungen rund um die Alpwirtschaft – Umwelt
- Mulchen zur Entbuschung von Flächen (Art. 29 Abs. 5-8 DZV)
Zur Entbuschung von Flächen ist das Mulchen mit einer vorgängigen Bewilligung des Kantons zulässig. Die Kantone stellen dem BLW die Bewilligung zur Kenntnis zu.
Der Eingriff darf frühestens ab dem 15. August erfolgen.
Höchstens 10 Prozent der bearbeiteten Bodenoberfläche dürfen nach dem Eingriff beschädigt sein.
Die Fläche muss nach dem Eingriff ein Mosaik von offenen Weideflächen und Sträuchern aufweisen, wobei die Sträucher auf mindestens 1 Are pro 10 Are stehengelassen worden sind.
In begründeten Fällen kann der Kanton von diesen Auflagen abweichen.
Das Mulchen zur Entbuschung ist höchstens zwei Jahre in Folge auf derselben Fläche zulässig. Danach muss mit einer angepassten Weideführung eine nachhaltige Bewirtschaftung sichergestellt werden. Ein erneutes Mulchen darf frühestens nach acht Jahren erfolgen.
- Unsachgemässe Bewirtschaftung (Art. 34 DZV) und Bewirtschaftungsplan (Art. 33 DZV)
Bei einer zu intensiven oder einer zu extensiven Nutzung schreibt der Kanton Massnahmen für eine verbindliche Weideplanung vor.
Bei ökologischen Schäden oder einer unsachgemässen Bewirtschaftung erlässt der Kanton Auflagen für die Weideführung, die Düngung und die Zufuhr von Futter und verlangt entsprechende Aufzeichnungen.
Führen diese Auflagen nicht zum Ziel, muss ein Bewirtschaftungsplan erstellt werden.
Besteht ein Bewirtschaftungsplan, so sind die darin enthaltenen Anforderungen und Vorgaben massgebend.
➔ DZV – Details zum Bewirtschaftungsplan
- Kürzungen (Anhang 3 Abschnitt 3.6 DZV)
Wird bei einer Kontrolle ein Mangel bei einem der oben genannten Punkte festgestellt, werden die Sömmerungsbeiträge zwischen 5 und 15% gekürzt.
Die Kürzung beträgt pro Kontrollpunkt mindestens Fr. 200 und maximal Fr. 3’000. Bei der Wiederholung eines Mangels entfällt das Maximum von Fr. 3’000 pro Kontrollpunkt. Im ersten Wiederholungsfall werden die Kürzungen verdoppelt. Ab dem zweiten Wiederholungsfall folgt ein Ausschluss vom Beitrag.
Begriffsdefinitionen
➔ Agripedia – Begriffsdefinitionen zu Problempflanzen und Verbuschung auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche
➔ Wissensportal Alpwirtschaft– Karte des Sömmerungsgebiets
Problempflanzen
Die wichtigen Problempflanzen und Verursacher von Verbuschung im Sömmerungsgebiet werden auf der Webseite Patura Alpina im Detail vorgestellt.
Informationen zu weiteren Problempflanzen sind im Bericht Massnahmen zur Regulierung von Problempflanzen im Alpgebiet von Agroscope zusammengestellt.
Vorgehen und Regulierungsmassnahmen
Wichtige Punkte
Die Erkenntnisse von Expert/innen zur Regulierung von Problempflanzen im Berggebiet werden in einem Bericht von Agroscope wie folgt zusammengefasst:
Früh handeln: Wenn Einzelpflanzen frühzeitig eingedämmt werden, ist der Aufwand verhältnismässig gering. Wenn sie nicht reguliert werden, entwickeln sie sich zum Problem, das nur mit sehr viel Aufwand behoben werden kann.
Viele Problempflanzen profitieren von Störungen und Lücken im Bestand. Eine geschlossene, intakte Grasnarbe bremst die Ausbreitung von Problempflanzen.
Es gibt kaum selektive Herbizide für die im Alpgebiet relevanten Problempflanzen und beim Einsatz von Breitbandherbiziden entstehen Lücken, die wieder von Problempflanzen besiedelt werden
Die meisten Problempflanzen gehören zu einer von zwei Kategorien:
- Gefördert durch Übernutzung
- Gefördert durch Unternutzung
Ein standortangepasstes Weidemanagement ist der effizienteste Weg, um Problempflanzen zu regulieren und ihre Wiederausbreitung langfristig zu verhindern. Dazu gehören ein angemessener Weidedruck und geeignete, nicht zu schwere Weidetiere.
Regulierungsmassnahmen sind nur dann sinnvoll, wenn die Ursachen (Über- oder Unternutzung) durch ein angepasstes Weidemanagement langfristig behoben werden.
Problempflanzen sind hartnäckig und ausdauernd (unterirdische Speicherorgane, hohe Regenerationsfähigkeit, schnelle Ausbreitung, etc.). Erfolgreiche Regulierung ist keine einmalige Massnahme, sondern bedeutet, mehr Ausdauer zu zeigen als die Problempflanze.
Caren Pauler, Massnahmen zur Regulierung von Problempflanzen im Alpgebiet – Ergebnisse einer Extpertenumfrage, Agroscope 2023
Situationsanalyse und Flächenpriorisierung
Bevor mit Regulierungsmassnahmen begonnen wird, sollten die folgenden Punkte analysiert werden:
Wo und warum findet die Verbuschung statt bzw. kommen die Problempflanzen vor?
Welches Futterpotential ist wo vorhanden?
Wie werden die Flächen nach dem Eingriff bewirtschaftet?
Welche Ressourcen (Arbeitskräfte, Weidetiere, …) stehen für die Regulierung und die langfristige Bewirtschaftung zur Verfügung?
Gibt es mehrere Flächen, auf denen Regulierungsmassnahmen in Frage kommen, sollten die Teilflächen priorisiert werden, die das grösste Potential haben, die Futterqualität und das Futterangebot langfristig zu verbessern.
Detaillierte Informationen für die Situationsanalyse und die Flächenpriorisierung bei verschiedenen Problempflanzen finden sich auf Patura Alpina.
Die alpwirtschaftlichen Beratungsstellen der Kantone können bei diesen Beurteilungen unterstützen.
➔ Wissensportal Alpwirtschaft – Kontaktstellen – Alpwirtschaftliche Beratung der Kantone
Massnahmen für die Regulierung
Je nach Art und Ausmass der Verbuschung sowie der Gegebenheiten vor Ort, eignen sich unterschiedliche Massnahmen für die Entbuschung und Regulierung von Problempflanzen auf der Alp.
Beweidung
Mit einem angepassten Weidedruck und weiteren Bewirtschaftungsanpassungen können das Vorkommen von Verbuschung und Problempflanzen durch Weidetiere (mit-)reguliert werden.
Je nachdem, ob die vorkommenden Problempflanzen durch Unter- oder Übernutzung gefördert werden, muss die Beweidung unterschiedlich ausgerichtet werden.

Das folgende Video zeigt beispielhaft, wie Grünerlen mit Ziegen reguliert werden:
Mechanische Regulierung
Mit mechanischen Regulierungsmassnahmen ist die Regulierung von Verbuschung und Problempflanzen mit Geräten wie Astschere, Freischneider/Motorsense, Motorsäge oder einem Mulchgerät gemeint.
Mechanische Regulierungsmassnahmen zielen meist darauf ab, die Problempflanzen zu schwächen und/oder zu entfernen. Durch Schneiden der Problempflanzen vor der Blüte werden Futterpflanzen gefördert und das Aussamen der Problempflanze wird verhindert. Ausser bei einem vollständigen Ausgraben der Problempflanze, müssen die Regulierungsmassnahmen über mehrere Jahre erfolgen, da oft unterirdische Überdauerungsorgane vorhanden sind.
Der ideale Schnittzeitpunkt unterscheidet sich je nach Problempflanze.
Mechanische beziehungsweise manuelle Regulierungen können durch Einsätze von Gruppen/Freiwilligen unterstützt werden:
➔ Wissensportal Alpwirtschaft – Kontaktstellen rund um die Alp – Arbeitseinsätze
Spezialfall: Mulchen im Sömmerungsgebiet
Mulchen bedeutet, eine Fläche zu mähen, ohne das Mähgut zusammenzurechen und zu entfernen. Stattdessen wird das Mähgut maschinell zerkleinert und vor Ort auf der Fläche verteilt.
Auf der Alp wird unterschieden zwischen:
- Mulchen zur Weidepflege und zur Regulierung von krautigen Problempflanzen und
- Mulchen zur Entbuschung (Entfernen von verholzten Pflanzenteilen)
Das Mulchen zur Weidepflege und zur Regulierung von krautigen Problempflanzen ist im ganzen Sömmerungsgebiet ohne besondere Bewilligung möglich. Bedingung ist, dass die Gras- und Krautnarbe intakt bleibt und keine Naturschutzflächen betroffen sind.
Das Mulchen zur Entbuschung muss vorgängig durch den Kanton bewilligt werden. Die Bewilligung enthält Auflagen, damit ökologische Schäden verhindert werden. Unter anderem darf der Eingriff frühestens ab dem 15. August stattfinden. Es darf höchstens zwei Jahre in Folge auf derselben Fläche durch Mulchen entbuscht werden. Danach muss mit einer angepassten Weideführung eine nachhaltige Bewirtschaftung sichergestellt werden.
Als Maschinen eignen sich auf Alpweiden entweder ein Mulchgerät am Traktor oder Einachser, oder ein Raupenmulcher.
Im folgenden Video-Ausschnitt wird das Mulchen im Alpgebiet gezeigt:
Chemische Regulierung
Bei der chemischen Regulierung werden Problempflanzen mit Herbiziden bekämpft. Ausschlaggebend für den Erfolg sind die Wahl des richtigen Mittels, der passende Anwendungszeitpunkt und die Witterung.
Gemäss DZV (➔ rechtliche Grundlagen) dürfen Herbizide zur Einzelstockbehandlung eingesetzt werden, soweit ihre Verwendung nicht verboten oder eingeschränkt ist. Zur Flächenbehandlung dürfen sie nur mit Bewilligung der zuständigen kantonalen Fachstelle und im Rahmen eines Sanierungsplans eingesetzt werden.
Hinweise zu den bewilligten Herbiziden finden sich auf Patura Alpina bei den jeweiligen Problempflanzen.
Herausforderungen
Gemäss DZV (➔ rechtliche Grundlagen) ist es Pflicht, die Sömmerungsweiden vor Verbuschung zu schützen und Problempflanzen zu regulieren. Die Offenhaltung der Weiden funktioniert am besten, wenn sie laufend unterhalten und Problempflanzen ab dem ersten Vorkommen von Einzelpflanzen reguliert werden. Dafür braucht es qualifizierte und sensibilisierte Alpbewirtschafter/innen, Älpler/innen und/oder Helfer/innen, die diesen laufenden Unterhalt durchführen.
Bei bereits stärker betroffenen Flächen ist der Aufwand für die Regulierung deutlich grösser: Sowohl das Zäunen von Tieren als auch die mechanische Regulierung sind sehr zeit- und arbeitsintensiv, noch zudem im alpinen Gelände. Die nötigen Ressourcen für diese Arbeiten zu finden ist schwierig. Bei einer Regulierung sollte ausserdem langfristig gedacht bzw. das unterliegende Problem angegangen werden. Das kann Bewirtschaftungsanpassungen mit sich bringen, die grosse Auswirkungen auf einen Alpbetrieb haben.
Für eine wirksame Regulierung von Verbuschung und Problempflanzen ist Ausdauer zentral. Regulierungsmassnahmen müssen über mehrere Jahre erfolgen und je nachdem ist eine Nachpflege nötig.
Schliesslich lohnt es sich, für eine langfristige Offenhaltung von regulierten Flächen in die Infrastruktur zu investieren (Wasserversorgung, Zäune, eventuell Zufahrt, …), um die Folgebewirtschaftung der Flächen zu vereinfachen.
Bei Problemen mit der Verbuschung können Alpbewirtschafter/innen sich bei den alpwirtschaftlichen Beratungsstellen der Kantone melden.
➔ Wissenportal Alpwirtschaft – Kontaktstellen – Alpwirtschaftliche Beratung der Kantone
Hilfsmittel
Webseiten, Leitfäden, Merkblätter
Webseite zum Umgang mit Problempflanzen auf der Alp
Details
In einem Verbundsprojekt von der AGRIDEA, dem FiBL, Agroscope und dem Büro Alpe wurde eine Webseite mit praktischen Wissen zum Umgang mit Problempflanzen auf der Alp erstellt.
Auf der Webseite werden wichtige Problempflanzen im Sömmerungsgebiet vorgestellt. Für jede Problempflanze werden Vorkommen und Eigenschaften der Pflanze, das Vorgehen zur Analyse der Situation vor Ort (Einflussfaktoren, Beurteilung Handlungsbedarf) und geeignete Regulierungsmassnahmen beschrieben. Mit Videos werden gute Beispiele zur Regulierung der jeweiligen Problempflanze illustriert.
Behandelt werden folgende Pflanzen: Alpenblacke, Weisser Germer, Binsen, Alpenkreuzkraut, Farne, Zwergsträucher, Grünerle, Disteln.
Bericht mit Expert/innenwissen zur Regulierung von Problempflanzen
Details
Agroscope hat eine Umfrage bei Expert/innen zur Regulierung von Problempflanzen im Berggebiet durchgeführt. Das gesammelte Erfahrungswissen wurde in einem Bericht zusammengestellt.
Je nach Problempflanzen werden Massnahmen, geeignete Zeitpunkte für die Regulierung und Bemerkungen, Ergänzungen oder Hinweise zu weiterführenden Informationen vorgestellt.
Behandelt werden die folgenden Pflanzen: Adlerfarn, Alpenblacke, Alpenkreuzrkaut, Disteln (Ackerkratzdistel, Alpenkratzdistel, Gewöhnliche Kratzdistel, Sumpfkratzdistel, Wollköpfige Kratzdistel), Eisenhaut (blau und gelb), Gelber Enzian, Ross-Minze, Weisser Germer, Wiesenblacke, Lägerflur (verschiedene Arten), Grünerle, Zwergsträucher, Herbstzeitlose, Jakobskreuzkraut, Binsen, Klappertopf, Orientalisches Zackenschötchen, Rasenschmiele, Borstgras, Echtes Johanniskraut, Scharfer Hahnenfuss, weisser Hahnenfuss, Pestwurz.
Leitfaden für Kontrollorganisationen
Details
Ein Leitfaden von der AGRIDEA für Kontrollorganisationen zeigt auf, wie das Ausmass der Verbuschung je nach Problempflanze und Standort im Feld beurteilt werden kann.
Pro Standort wird der Anteil an Verbuschungsarten und Problempflanzen in Bezug zur Ertragsfähigkeit des Standorts gesetzt. Mithilfe von Beispielbildern wird das Vorgehen verdeutlicht.
Merkblatt für Alpbewirtschafter/innen: Wie vorgehen nach der Feststellung eines Mangels?
Details
Dieses Merkblatt von der KOLAS Zentralschweiz richtet sich an Alpbewirtschafter/innen, bei denen zu viel Verbuschung oder zu viele Problempflanzen auf dem Sömmerungsbetrieb festgestellt wurden:
Es zeigt für die betroffenen Alpbewirtschafter auf, wie sie nach der Feststellung des Mangels vorgehen und was bei der Erstellung eines Massnahmenplans und dessen Umsetzung zu berücksichtigen ist.
Übersicht von Problemstellung, Massnahmen und Unterstützungsmöglichkeiten
Details
In einem Fact Sheet fasst die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) Erkenntnisse bezüglich Problemstellung, Massnahmen und Unterstützungsmöglichkeiten zur Verbuschung im Berggebiet zusammen.
Veranstaltungen
Verbuschung und Offenhaltung der Flächen an der Alpexkursion 2025
Details
Bei der Alpexkursion 2025, welche von der AGRIDEA und der SAB im Rahmen der Dialogplattform „Forschung – Praxis in der Berglandwirtschaft“ gemeinsam durchgeführt wurde, ging es um die Verbuschung und Offenhaltung der Flächen im Berg- und Alpgebiet.
Während zwei Tagen wurden im Urserental (UR) und in der Surselva (GR) Problemflächen besichtigt und der Umgang mit der Verbuschung und Lösungsansätze zur Offenhaltung von Weiden thematisiert. Zudem wurden Auswirkungen von alpinen Solaranlagen auf die Alpwirtschaft am Beispiel einer Baustelle angeschaut.
Programm, Präsentationen sowie Details zu den besuchten Projekten sind bei der SAB verfügbar.
Tagung zur Bekämpfung von Verbuschung und Offenhaltung der Flächen 2025
Details
Im Rahmen der Dialogplattform „Forschung – Praxis in der Berglandwirtschaft“ fand Anfang 2025 eine Tagung zur Verbuschung im Berggebiet statt. Thematisiert wurden der aktuelle Stand der Forschung, die Bedürfnisse aus der Praxis sind und welcher Handlungsbedarf daraus abgeleitet werden kann.
Programm, Präsentationen sowie ein Tagungsbericht sind bei der SAB verfügbar.
Forschungsprojekte
Ausgewählte Publikationen aus der Forschung werden hier vorgestellt. Die Publikationen sind nach Erscheinungsdatum geordnet.
Weitere Publikationen der Versuchsstation Alp- und Berglandwirtschaft (VSAB):
Details
Auf zwei Alpweiden, die seit unterschiedlich langer Zeit mit Schottischen Hochlandrindern bestossen werden, wurde beurteilt, wie sich die Vegetation durch die Beweidung mit dieser Robustrasse entwickelt. Die Alp im italienischen Val Vogna wird seit 2009 mit Schottischen Hochlandrindern beweidet, die Schweizerische Alp Bovonne seit 2019. Auf beiden Weiden sank die Bedeckung durch Straucharten infolge der Beweidung, während die Pflanzenvielfalt stieg. Die Weidequalität der offenen Weide nahm entweder zu oder blieb auf einem konstant hohen Niveau. Eine gezielte Beweidung mit Schottischen Hochlandrindern scheint Potenzial zu haben, um langfristig die Verbuschung durch die Grünerle einzudämmern und die Pflanzenvielfalt wiederherzustellen.
➔ Originalpublikation auf Englisch – Highland cattle grazing reduces shrubland cover and increases plant diversity in green alder-encroaches pastures
Details
Auf drei Waadtländer Alpbetrieben wurden verschiedene Massnahmen zur Grünerlenregulierung miteinander verglichen. Die Grünerlen wurden einerseits mit Ziegen, andererseits mit Rindern beweidet. Die Beweidung geschah entweder als alleinige Regulierungsmassnahme oder in Kombination mit einem vorherigen mechanischen Schnitt der Grünerlen. Die Ziegen frassen sowohl die Erlenblätter als auch die Unterholzvegetation der Erlen. Die Rinder hingegen weideten nur wenig in den Grünerlen. Bei den Beständen, die vorgängig geschnitten wurden, frassen die Ziegen fast den vollständigen Aufwuchs und entrindeten im Durchschnitt ein Viertel der Äste – allerdings mit grossen Unterschieden zwischen den Alpbetrieben. Bei den Rindern war die Beschädigung der geschnittenen Äste durch Frass oder Tritt schwach.
➔ Agrarforschung Schweiz – Grünerlen regulieren: Kombination von Schnitt und Beweidung von Ziegen ist wirksam
➔ Originalpublikation auf Französisch – Comportement alimentaire des génisses et des chèvres sur les alpages envahis par l’aulne vert
➔ Prométerre – Lutte mécanique et pression de pâture pour limiter la propagation de l’aulne vert en zone d’estivage (auf Französisch)
Details
Die Forschungsanstalt WSL hat die mögliche Ausbreitung von Waldbränden in verschiedenen Regionen der Schweiz untersucht. Die Regionen, wo in der jüngsten Zeit am meisten landwirtschaftliche Flächen aufgegeben wurden und sich der Wald ausgebreitet hat, sind auch am meisten von Grossbränden gefährdet (z.B. westliche Zentralalpen, Südschweiz). In der Studie wurde auch modelliert, wie Waldbrände sich bei einer vollständigen Aufgabe der landwirtschaftlichen Tätigkeiten bis zu einer Höhe von 2500 m. ü. M. ausbreiten könnten: Die Gefahr grösserer Waldbrände würde in der ganzen Schweiz (mit Ausnahme des Mittellandes) deutlich zunehmen. In Zukunft muss mit einer Zunahme extremer Wettersituationen, die die allgemeine Waldbrandgefahr erhöhen und die Entwicklung sehr intensiver Brände begünstigen, gerechnet werden. Grossbrände gefährden dabei die Schutzfunktionen des Waldes. Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung im Berggebiet wird also umso wichtiger, da durch die offenen Flächen wirksame Brandschneisen an den Berghängen erhalten bleiben.
➔ Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen – Welche Rolle spielt die Landschaftspflege bei Waldbränden?
Details
Über Jahrhunderte wurden Grünerlen im Sömmerungsgebiet durch die Beweidung, insbesondere mit Ziegen, eingedämmt. In einer Studie hat Agroscope untersucht, wie sich die Bekämpfung der Grünerle mit Robustrassen vom Rind (Dexterrinder), Schaf (Engadinerschaf) und Ziege (Pfauenziege) voneinander unterscheidet. Dies, da die Haltung von Rindern oder Schafe heute wirtschaftlich attraktiver ist als die von Ziegen. Die Dexterrinder konnten die Verbuschung durch Grünerlen verlangsamen jedoch nicht verhindern. Im Gegensatz dazu verbrachten Engadinerschafe gleichviel Zeit in den Grünerlen wie die Pfauenziegen, schälten jedoch deutlich mehr Grünerlen. Für die Rückgewinnung von verbuschtem Weideland eignen sich also Ziegen und Engadinerschafe am besten.
➔ Forum Kleinwiederkäuer – Mit Ziegen und Engadinerschafen die Grünerle eindämmen
➔ Originalpublikation auf Englisch – Thinning the thickets: Foraging of hardy cattle, sheep and goats in green alder shrubs
Details
In dieser Studie wurde die Biodiversität auf Alpweiden bei Verbuschung durch verschiedene Pflanzenarten untersucht. Die Verbuschung wurde auf den untersuchten Weiden in 62% durch die Grünerle, in 25% durch die Bergföhre/Latsche und in 10% durch andere Straucharten dominiert. Die Entwicklung der Biodiversität bei Verbuschung lässt sich durch die dominierende Verbuschungsart gut vorhersagen. Dominiert die Grünerle, sinkt schon bei tiefer Verbuschung die Pflanzenvielfalt auf der Weide erheblich. Für den Erhalt der Pflanzenvielfalt ist es daher wichtig, die Bedeckung durch Grünerlen früh einzudämmen. Bei der Verbuschung durch Bergföhren und andere Straucharten steigt die Biodiversität, solange ein Mosaik von Strauchbedeckung und offener Weide besteht (Strauchbedeckung von 40-60%).
➔ Originalpublikation auf Englisch – Dominant shrub species are a strong predictor of plant species diversity along subalpine pasture‑shrub transects
Details
Im italienischen Val Troncea wurden Nachtpferche und Mineralblöcke auf einer Rinderalp eingesetzt, um die Wirksamkeit dieser Massnahmen für die Regulierung von Zwergsträuchern zu untersuchen. Sowohl die temporären Nachtpferche wie auch die Mineralblöcke wurden gezielt in zugewachsenem Gelände eingerichtet. Die Auswirkungen auf die Vegetationsstruktur und die Weidequalität wurden über fünf Jahre beobachtet. Beide Massnahmen waren wirksam, um die Strauchbedeckung zu reduzieren und die Bedeckung und Höhe der Krautschicht zu verbessern. Mit den Nachtpferchen war dieser Effekt jedoch deutlicher und die Weidequalität konnte verbessert werden. Nachtpferche waren die wirksamste Massnahme, um Zwergstäucher zu regulieren und die Futterqualität der Weiden zu verbessern.
➔ Originalpublikation auf Englisch – Targeted grazing for the restoration of sub-alpine shrub-encroached grasslands
Impressum
Titelbild: Daniel Mettler, AGRIDEA
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