Themen
Wasser Agraroekologie

Bewirtschaftungstechnische Massnahmen

Verschiedene pflanzenbauliche sowie bodentechnische Massnahmen können die Wasserretention im Boden fördern und damit den Wasserabfluss über das Land verringern.

Inhaltsverzeichnis

Slow Water (2 / 4)

Slow Water – Wasserretention im Kulturland

Bewirtschaftungstechnische Massnahmen

Hydrotechnische Massnahmen

Partizipative Prozessbegleitung

Humusaufbau (Kunstwiese)

Quelle: Ebenrain
Nr.Slow Water M08
BeschreibungHumus erhöht die Stabilität, die Tragfähigkeit sowie die Wasseraufnahmefähigkeit der Böden und verhilft Böden zu einer verbesserten Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremwetterereignissen. Durch seine stabile Struktur werden Niederschläge verstärkt aufgenommen und das gespeicherte Wasser steht den Kulturen bei Trockenphasen länger zur Verfügung. Die Ertragssicherheit wird erhöht und das Erosionsrisiko vermindert.

Durch den Anbau mehrjähriger Kunstwiese oder Kunstwiese mit Luzerne wird Humus im Boden aufgebaut. Der durchgehende Bewuchs, die Bodenruhe sowie der Anbau verschiedener Arten (Mischungen) führt zu einer intensiven, stabilen Durchwurzelung und bringt organische Substanz (Photosynthese, Um- und Abbau von Pflanzen) in den Boden. Durch die durchgehende Bodenbedeckung wird Erosion vermindert. Die Luzerne kann mit ihrer Pfahlwurzel Wasser aus tieferen Bodenschichten erschliessen und trägt in Trockenperioden zur Ertragssicherheit bei.

Slow Water: Nur im Fall Kunstwiese mit Luzerne (Anteil Luzerne in der Mischung mind. 100 g pro Are) oder mehrjährige Kunstwiese mit mind. 3 Hauptnutzungsjahren (Stichtag Ansaat 1. Mai)
WirkungRückhalt von Regenwasser, Erhöhung der Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit der Böden, Verhinderung von Humusabbau sowie Erhöhung der Bodenfeuchte. In Trockenperioden reduziert sich der Bewässerungsbedarf. Verbesserung der Bodenporosität und Durchlässigkeit.

Wirkung ausserhalb Wasserretention:
• Ertragssicherung
• Erhöhung und Erhalt Bodenfruchtbarkeit
• Erosionsminderung
Kosten und Finanzierung• Um eine quantitative Verbesserung festzustellen ist es sinnvoll Bodenanalysen (Humus analytisch > Fr. 85.-/Parzelle) und Spatenprobe auszuführen. Eine Humusbilanz veranschaulicht Ansätze zur Verbesserung des Humusgehaltes
• Luzerne und 400-er Mischung: > Fr. 10.-/kg (32 – 40 kg/ha)
 
Bestehende Förderbeiträge (Direktzahlungen DZV, Strukturverbesserungen SVV): Beiträge für ganzjährige Bodenbedeckung: «angemessene Bedeckung des Bodens»: Fr. 250.–/ha
Beiträge Ressourcenprojekt Slow WaterKunstwiese mit Luzerne oder mehrjährige Kunstwiese mit mindestens 3 Hauptnutzungsjahren: CHF 420.–/ha
Technische Bedingungen und PlanungUm eine quantitative Verbesserung festzustellen ist es sinnvoll Bodenanalysen, inklusive Spatenprobe, auszuführen (Lagerungsdichte, Skelettanteil, etc.). Eine Humusbilanz veranschaulicht Ansätze zur Verbesserung des Humusgehaltes.
Unterhalt und NutzungLuzerne-Mischungen zwei mögliche Strategien:
1) Hohe Erträge und 3-jährige Nutzungsdauer, 3 – 4 x mähen/Jahr
2) Hoher Nährwert und 2-jährige Nutzungsdauer (Saatjahr + 1 Hauptnutzungsjahr, 5 x mähen)
 
Kunstwiese mit 3 Hauptnutzungsjahren (400-er Mischung):
1) Gras-Weissklee-Mischungen 3 – 5 Nutzungen
2) Weidemischungen 5 – 6 Nutzungen, bis 7 Nutzungen unter günstigen Bedingungen
Synergien / Schnittstellen / ZielkonflikteSynergien bei stabilem Humus:
• Bodenfruchtbarkeit
• Bodenerosion
• Klimaschutz (CO2-Fixierung)
 
Zielkonflikte:
• Futtermittel- statt Lebensmittelproduktion für direkten menschlichen Verzehr
Kontakte und Expertise• AGRIDEA: Abteilung Pflanzenbau, Umwelt
• Amt für Landwirtschaft und Natur (LANAT) Fachstelle Bodenschutz
• Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung, Abteilung Ländliche Entwicklung und Ressourcen
• Bionika AG
• Regenerativ Schweiz
Weitere LinksSpatenprobeApp und Anleitungen
Anleitung bzw. Bilanzrechner
Grundlagen zur Bodenfruchtbarkeit – Die Beziehung zum Boden gestalten (fibl.org)
Humus in Ackerböden – AGRIDEA

Untersaaten / Einsaaten

Quelle: Ebenrain
Nr.Slow Water M09
BeschreibungUntersaaten / Einsaaten werden entweder zeitgleich mit der Kultur gesät oder zu einem späteren Zeitpunkt eingesät. Sie bedecken den Boden und verringern offene Bodenflächen. Dies sowie die intensivere Durchwurzelung führen zu einer Reduktion von Verschlämmung und Erosion und verlangsamen den Wasserabfluss. Das Wasser kann vermehrt auf der Fläche gespeichert werden. Nach der Ernte der Hauptkultur bleibt der Boden bedeckt, was den Oberflächenabfluss zusätzlich mindert. Bei weiten Reihenabständen ist die Lichtverfügbarkeit höher, wodurch sich die Auflaufchancen der Untersaat verbessern, im Vergleich zu dichten Beständen. Erfolgt die Einsaat im Zusammenhang mit Striegel- oder Hackmassnahmen, wird sie im Anschluss vorgenommen.
WirkungDer Oberflächenabfluss wird reduziert und verlangsamt. Verzögerung des Abflusses und Dämpfung von Abflussspitzen. Die Versickerung und die Bodenfeuchtigkeit wird erhöht und speist das Grundwasser.

Wirkung ausserhalb Wasserretention:
• Erhöhung / Erhalt Bodenfruchtbarkeit
• Erhöhung Bodendurchwurzelung
Kosten und FinanzierungAnsaat (Maschine, Arbeit, Saatgut), total ca. Fr. 400.- /ha
 
Bestehende Förderbeiträge (Direktzahlungen oder Strukturverbesserungen SVV):
• Beitrag «angemessene Bedeckung des Bodens»: Fr. 200.–/ha
Beiträge Ressourcenprojekt Slow WaterCHF 250.–/ha (falls nicht bereits über Direktzahlungsprogramm «angemessene Bedeckung des Bodens» abgegolten).
 
Im Projekt Slow Water keine Vorgabe für gesamtbetriebliche Umsetzung. Es werden auch Beiträge für einzelne Flächen ausgerichtet.
Technische Bedingungen und Planung• Mischung und Saatzeitpunkt abhängig der Zielsetzung (Verbesserung Bodenstruktur, Nutzung, N-Input, Erosionsminderung, Unkrautunterdrückung etc.)
• Saatzeitpunkt von Hauptkultur und Saattechnik abhängig,
Möglichkeiten: Wintergetreide zur Saat oder Frühling nach striegeln, Mais im 6- bis 8-Blatt Stadium, Sonnenblumen nach Hackdurchgang, Winterraps zur Saat
• Wetter und Standorteigenschaften (Wasserversorgung!) berücksichtigen
• Saatmischungen und -mengen den Kulturen, der Fruchtfolge und der Nutzung anpassen
• 100 % Bodenbedeckungsgrad von Kultur und Untersaat / Einsaat anstreben
Unterhalt und NutzungUnterhalt Möglichkeiten:
• Mulchen
• Düngung
• Säuberungsschnitt nach Ernte

Nutzung:
• Schnittnutzung und Beweidung nach Ernte der Hauptkultur (abhängig der Mischung)
Synergien und ZielkonflikteSynergien:
• Durch den Bewuchs nach der Ernte der Hauptkultur kann die Untersaat weiterhin Photosynthese betreiben, was zu einer erhöhten Biomasseproduktion führt.
• Unter bestimmten Bedingungen ist im Anschluss eine Schnitt- oder Weidenutzung möglich.
• Die Durchwurzelung der Untersaat verbessert die Tragfähigkeit des Bodens zur Erntezeit der Hauptkultur, wodurch das Risiko von Bodenverdichtungen und Erosionen verringert werden kann.
•Die Nährstoffauswaschung durch offenen Boden ist verringert.
 
Zielkonflikte:
• Eine Untersaat gelingt nicht in jedem Jahr gleich gut, da sie in Konkurrenz zur Hauptkultur steht. In Trockenphasen steigt das Risiko der Konkurrenz zwischen den beiden Kulturen (Ertragsminderung). Es gibt Jahre, in denen die Etablierung gut funktioniert, in anderen hingegen bleibt der Erfolg aus. Auf Flächen mit Problemunkräutern ist der Einsatz von Untersaaten eingeschränkt. In solchen Fällen sind mechanische oder chemische Massnahmen zur Unkrautregulierung erforderlich und lassen sich schlecht mit Untersaaten kombinieren.
Kontakte und Expertise• AGRIDEA: Abteilung Pflanzenbau, Umwelt
• Regenerativ Schweiz
• SWISS NO-TILL
Weitere LinksAngemessene Bedeckung des Bodens im Ackerbau – Agripedia
•Anlagetechnik: Verschiedene Möglichkeiten, siehe Praxisanleitung (u.a. zu Saattechnik, Saatzeitpunkt, Fruchtfolgeaspekte)

Schonende Bodenbearbeitung

Quelle: Ebenrain
Nr.Slow Water M10
BeschreibungEine schonende Bodenbearbeitung reduziert die Bearbeitungsintensität und trägt zu einer stabilen Bodenstruktur und zum Humusaufbau/-erhalt bei. Dies verbessert die Bodenfruchtbarkeit und die Wasserspeicherkapazität. Mulch schützt den Boden vor direkter Sonneneinstrahlung, hält den Boden länger feucht und fördert ein aktives Bodenleben.

Zwischen der Ernte zweier Hauptkulturen (einschliesslich allfälliger Zwischenkulturen) wird auf den Einsatz des Pfluges verzichtet. Zur schonenden Bodenbearbeitung zählen Verfahren wie Direkt-, Streifen- und Mulchsaat. Auch Geräte wie Schälpflug, Spatenmaschine oder Schälfräse gelten als bodenschonend, sofern sie nicht tiefer als 10 cm arbeiten. Ebenso gelten Tiefen- und Unterkrummenlockerungen als bodenschonende Massnahmen.
WirkungRückhalt von Regenwasser und Oberflächenabfluss. Verzögerung Abfluss und Dämpfung Abflussspitzen. Die Versickerung wird erhöht. Wasser steht Kulturen zur Verfügung und speist das Grundwasser. Bodenfeuchtigkeit wird erhöht. In langen Trockenperioden müssen Kulturen weniger bewässert werden.

Wirkung ausserhalb Wasserretention:
• Ertragssicherung
• Erhöhung / Erhalt Bodenfruchtbarkeit
• Erosionsminderung
Kosten und FinanzierungAnschaffung Maschinen (wie Direktsämaschine, Geohobel, Grubber):
• Anschaffungskosten von Fr. 15‘000.- (gebraucht) bis Fr. 100‘000.- (neu).
• Kosten abhängig von Marken, Ausstattung, Arbeitsbreite, Grösse, Baujahr, Zustand (neu vs. gebraucht).

Alternative Ausführung durch Lohnunternehmer, Miete oder Einkaufsgemeinschaften.
 
• Lohnunternehmern z.B. Direktsaat 6 m: > 250.-/ha (abhängig von Lohnunternehmer und Schlaggrössen)
 
Vermeidung Bodenverdichtung durch Reifendruckregelanlage (Investitionen Fr. 8‘000 – 16‘000.-).
 
Bestehende Förderbeiträge (Direktzahlungen oder Strukturverbesserungen SVV) Beiträge «schonende Bodenbearbeitung»:  Fr. 200.-/ha. Bei Teilnahme müssen die entsprechenden Richtlinien erfüllt werden. 
Beiträge Ressourcenprojekt Slow WaterCHF 250.–/ha (falls nicht bereits über Direktzahlungsprogramm abgegolten)
Technische Bedingungen und Planung• Vermeidung der Bodenverdichtung vor Befahren
• Den Bodenbedingungen angepasster Reifendruck
• Nutzung eines Boden-Penetrometers
Pflege / Unterhalt und NutzungDirektsaat:
• Scheiben-, Zinken oder Kreuzschlitz-Direktsämaschinen
• Saatgut direkt in unbearbeiteten Boden ablegen
• Max. 25 % der Bodenoberfläche bewegen
 
Streifenfrässaat oder Streifensaat:
• Strip-Till oder Streifenfräse in Kombination mit Tiefenlockerung
• Boden in Streifen von bis zu max. 20 cm Tiefe bearbeiten
• Max. 50 % der Bodenoberfläche vor oder während der Saat bearbeiten
• Max. zwei Durchgänge (Streifenbearbeitung und Saat oder kombiniert)
 
Mulchsaat:
• Zinkengerät für oberflächliche Stoppelbearbeitung, Scheibenegge
• Ganzflächige, nicht-wendende, oberflächige Bodenbearbeitung
• Saatgutablage in oberflächennahe Mulchschicht
Synergien und Zielkonflikte Synergien:
• Bodenfruchtbarkeit
• Bodenstabilität erhalten
• Rückhalt von Nährstoffen
• Verminderte Verschlämmung und Erosion
• Erhalt Bodenfeuchtigkeit
• CO2-Speicherung Boden (Abbau reduziert)

Zielkonflikte:
• Herbizideinsatz durch erschwerte Unkrautbekämpfung
• Verdichtungsschichten durch oberflächliche Bearbeitung möglich z.B. auf 10 cm (Spatenproben nehmen)
• Tiefenlockerungen oder Unterkrummenlockerungen teils notwendig (zusätzliche Bodenbefahrungen notwendig, falls nicht kombinierbar). Anschliessende Stabilisierung durch tiefwurzelnde Kulturen.
Kontakte und Expertise• AGRIDEA: Abteilung Pflanzenbau, Umwelt
• Regenerativ Schweiz
• SWISS NO-TILL
Weitere Links• Bei Teilnahme am Beitragsprogramm „schonende Bodenbearbeitung im Ackerbau“ müssen die entsprechenden Richtlinien erfüllt werden: Schonende Bodenbearbeitung im Ackerbau – Agripedia
• Merkblatt Bodenverdichtung
Terranimo Light – Terranimo für alle Maschinen und Reifendruckregelanlage
Bodenbeurteilung im Feld
Spatenprobe – Spatenprobe BodenDok

Hecken / Bestockung auf Höhenlinien 

Quelle: Ebenrain
Nr.Slow Water M11
BeschreibungHecken sind lineare Gehölzstrukturen bestehend aus einheimischen Sträuchern und einzelnen Bäumen. Beidseitig schliesst ein 3 Meter breiter Pufferstreifen an, auf dem weder Dünger noch Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden dürfen (ÖLN). Als Biodiversitätselement wird er mit einem beidseitig extensiv genutzten Krautsaum kombiniert. Futterhecken als produktive Elemente auf beweideten Flächen unterscheiden sich von Hecken zur Biodiversitätsförderung durch ihre Struktur und Zusammensetzung der Arten.
WirkungHecken bremsen den Oberflächenabfluss, dämpfen Abflussspitzen und lassen Regenwasser besser versickern. Die Vielfalt an Pflanzen wirkt sich positiv auf die Durchwurzelung und Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens aus. Zudem verlangsamen die angrenzenden Pufferstreifen/Säume insbesondere in Hanglagen abfliessendes Wasser nach Starkniederschlägen und fördern die Infiltration. Das Wasser steht den angrenzenden Kulturen zur Verfügung und speist das Grundwasser.

Wirkung ausserhalb Wasserretention:
• Förderung Biodiversität (Artenvielfalt, Vernetzung, vielfältige Funktionen)
• Erosionsminderung als lineares Element
• Ausbremsung Windgeschwindigkeit, Verminderungen Bodenverwehungen, Achtung: Durch Windkanal auch ein mögliches erhöhtes Erosionsrisiko
Kosten und FinanzierungPflanzgut:
• Fr. 5 – 15.- pro Pflanze (abhängig von Pflanzgut, wurzelnackt vs. Wurzelballen)

Unterhalt abhängig von Maschineneinsatz
• Konventionelle Pflege manuell Fr. 420.-/100 m (10 m/h)
• Schlegelmulcher Fr. 125.-/100 m (80 m/h) 
 
Bestehende Förderbeiträge (Direktzahlungen DZV, Strukturverbesserungen SVV):
• Hecken mit Krautsaum als BFF (abgestuft nach QI, QII, Vernetzung) 
BFF: Fr 21.60 bis 60.-/Are und Jahr, zusätzlich je nach Kanton LQ-Beiträge prüfen
• Hecken mit Pufferstreifen, ohne Krautsaum (ohne BFF): LQ-Beiträge je nach Kanton prüfen
• Futterhecken: Bisher keine Förderung bekannt
Beiträge Ressourcenprojekt Slow WaterEinmaliger Pflanzbeitrag einheimische Sträucher & Bäume: 5.- Fr. / Pflanze
Bemerkungen• Verpflichtungsdauer BFF: 8 Jahre (DZV)
• Hecken können mit Versickerungskanälen kombiniert werden. Diese kommen oberhalb der Hecke zu liegen. Möglichkeiten oder Anforderungen (DZV) bei der zuständigen kantonalen Fachstelle abklären.
• Aus ökologischer Sicht wird empfohlen, möglichst viele Aspekte der QII Anforderungen zu berücksichtigen und sie mit Kleinstrukturen (Ast- und Steinhaufen, etc.) zu ergänzen, Empfehlung 1 Kleinstruktur pro 25 m Hecke. Pflegeziel: max. 3 – 5 m Höhe
Technische Bedingungen und PlanungGehölze sollten während der Vegetationsruhe – von Anfang November bis Ende April – gepflanzt werden. Vernässte, schneebedeckte oder gefrorene Böden sind zu vermeiden. Für leichte Böden eignet sich eher die Herbstpflanzung, während auf schweren Böden die Frühjahrespflanzung vorteilhafter ist.

Für eine 100 Meter lange Hecke mit einer Breite von 2 Metern sind etwa 200 Pflanzen erforderlich.

Unterschiedliche Ansätze:

BFF-Element
Folgende bundesweite Anforderungen sind für die Qualitätsstufe II zu erfüllen:
• Heckenbreite mind. 2 m, beidseitiger Krautsaum von mind. je 3 m Breite (kantonale Anforderungen der Saumbreite sind zu prüfen)
• Einheimische Strauch und Baumarten
• Pro 10 m mind. 5 verschiedene Strauch- und Baumarten 
• Mind. 20 % der Strauchschicht dornentragende Sträucher oder pro 30 m mind. ein landschaftstypischer Baum (Umfang auf 1,5 m Höhe mind. 170 cm)
 
Futterhecken
• Keine speziellen Anforderungen bekannt (keine Direktzahlungen)
• Pflanzung von Bäumen und Sträucher mit guter Verdaulichkeit und hohem Nährwert
• Beispiele von Arten: Gemeine Esche, Weisse Maulbeere, Sal-Weide, Linde, Schwarzerle, Holunder, Hasel
Pflege / Unterhalt und NutzungPflege BFF Hecke gemäss bundesweiter Anforderungen (kantonale Anforderungen sind zu prüfen):
• Schnitt nur während Vegetationsruhe
• Mindestens alle acht Jahre
• Abschnittsweise und pro Jahr max. auf einem Drittel der Fläche

Weitere Empfehlungen:
• Artenvielfalt fördern, deshalb langsam wachsende Arten seltener schneiden als schnellwüchsige
• Stufigkeit erhalten und fördern, alle Hecken sollten am Rand eine dichte niedere Strauchschicht und einen Krautsaum aufweisen.
• Einen vernetzenden Übergang zum Kulturland erhalten. Deshalb den Krautsaum spät und abschnittsweise mähen.
 
Nutzung Krautsaum:
• Jährlich ein gestaffelter Schnitt. Schnitt der ersten Hälfte im Talgebiet und Hügelzone ab 15. Juni, im Berggebiet ab 1. Juli. Schnitt der zweiten Hälfte ab September, jedoch frühestens 6 Wochen nach der ersten Hälfte. Die erste Hälfte bleibt stehen. Keine weitere Nutzung. Bei Herbstweide den ganzen Saum auszäunen.
• Mulchen des Krautsaums ist nur punktuell bei aufkommenden Problemgehölzen und nach Absprache mit der kantonalen Fachstelle erlaubt.
• Das Saumschnittgut muss abgeführt werden.
 
Nutzung Futterhecke:
• Direkte Beweidung der Futterhecke oder Verfütterung des Schnittguts
Rechtliche Aspekte (Raumplanung, Bewilligungen)• Bei Pachtflächen muss das Einverständnis der Eigentümerschaft eingeholt werden.
• Je nach Kanton tritt bei einer Heckenpflanzung die Verordnung zum Schutz der Hecken, Feldgehölzen und Uferbestockungen in Kraft. Diese schützt Hecken und untersagt die Rodung (z.B. LU, BE, GR).
• Abstandsvorschriften (inkl. Pufferstreifen) zum Nachbarn beachten.
Kontakte und Expertise• AGRIDEA: Abteilung Pflanzenbau, Umwelt
• Kantonale Biodiversitätsfachstellen
Weitere LinksGenerelle Informationen zu Hecken, Feld- und Ufergehölzen
Wegleitung Biodiversitätsförderung auf Landwirtschaftsbetrieb
• Merkblatt Pufferstreifen
• Merkblatt Heckenarten
• Checkliste Planungs- und Arbeitsschritte
• Merkblatt Anlage und Pflege von Hecken
• Merkblatt Futterbäume und -sträucher in der Wiederkäuerfütterung

Agroforst / Obstgarten 

Quelle: Ebenrain
Nr.Slow Water M12
BeschreibungAgroforstsysteme oder Obstgarten bezeichnen die gezielte Kombination von Bäumen oder mehrjährigen verholzenden Strukturen mit landwirtschaftlichen Kulturen oder der Tierhaltung auf derselben Fläche. Diese Nutzungsform schafft vielfältige, strukturreiche Produktionssysteme mit ökologischen und ökonomischen Vorteilen. In der Schweiz zeigt sich Agroforst traditionell in verschiedenen Formen: In den Waldweiden des Juras, den Kastanienselven im Tessin oder den klassischen Hochstamm-Obstgärten, die vielerorts die Kulturlandschaft prägen. Moderne Agroforstsysteme umfassen Streifenpflanzungen von Bäumen in Acker- oder Dauergrünlandflächen.
WirkungDer Rückhalt von Regenwasser und die Reduzierung des Oberflächenabflusses sind zentrale Funktionen von Obstbäumen in Hanglagen. Durch die Verzögerung des Abflusses und die Dämpfung von Abflussspitzen wird Erosion verringert. Die tiefreichenden Wurzelsysteme von Obst- oder Wertholzbäumen wie Quitten, Birnen, Kastanien, Pflaumen und Walnuss stabilisieren den Hang und erschliessen bei Trockenheit Wasser aus tieferen Bodenschichten, das von den Bäumen aber auch von den umliegenden Kulturen genutzt werden kann. Dies fördert auch die Neubildung von Grundwasser und trägt dazu bei, dass Quellen und Bäche langsamer versiegen. Insgesamt verringert sich der Bewässerungsbedarf während längerer Trockenperioden und das Hangökosystem gewinnt an Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Schwankungen. Die Bäume spenden Schatten und verringern dadurch die direkte Sonneneinstrahlung auf den Boden. Das reduziert die Bodenoberflächentemperatur und somit die Verdunstung von Bodenwasser. Besonders in Trockenperioden hilft dies, die Bodenfeuchtigkeit zu erhalten. Insgesamt entsteht ein Mikroklima, das Temperaturschwankungen mildert. Durch das Anlegen von Baumreihen wird die Windgeschwindigkeit reduziert, was die Verdunstung über die Blätter vermindert. Der Laubfall und die Wurzelausscheidungen fördern den Humusaufbau und somit die Wasserhaltefähigkeit des Bodens. 
Kosten und Finanzierung



Pflanzgut, Material, Arbeit, Maschine in Fr.
• Hochstamm Obstbaum 80 – 100.-
• Hochstamm Nussbaum 160 – 180.-
• Laubbäume zur Wertholznutzung 160 – 180.-
• Einheimischer Laubbaum 170.-
• Schutzmaterial gegen Wühlmause, Wildverbiss, Rinder ≈ 40.-/Baum
• Akazienpfahl und Material Auszäunung ≈ 25.-/Baum
• Pflanzung & Maschinen pro Baum ≈ 60.-
• Beratungskosten je nach Aufwand und Bedarf 200 – 400.-

Bestehende Förderbeiträge (Direktzahlungen DZV, Strukturverbesserungen SVV):
• Für Hochstamm-Streuobstbestände (Obst- und Nussbäume) jährliche BFF-Beiträge Fr. 13.50 – 60.– pro Baum (abgestuft nach QI, QII, Vernetzung), zusätzlich je nach Kanton LQ-Beiträge prüfen
• Je nach Kanton LQ Beiträge für Hochstammobstbäume oder für Alleen, Baumreihen, Bestände aus einheimischen Laubbäumen prüfen

Weitere Finanzierungsmöglichkeiten:
Die Neuanlage und Pflege von Agroforstbepflanzungen wird teilweise über kantonale Einzelprogramme unterstützt. Ab 2030 ist möglicherweise mit einem eigenen Agroforstprogramm des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) zu rechnen. Zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten bieten auch Stiftungen, unter anderem: MyClimate und Silvocultura, Fonds Landschaft Schweiz, VisioPermacultura.
Beiträge Ressourcenprojekt Slow Water• Anlegen eines Obstgartens im Grünland: einmaliger Pflanzbeitrag: CHF 120.– pro Obst- oder Nussbaum. Mind. 10, max. 60 Bäume pro ha.
• Anlegen von Baumreihen in Kombination mit ackerbaulichen Unterkulturen: Einmaliger Pflanzbeitrag: CHF 120.– pro Obst- oder Nussbaum, CHF 80.– pro einheimischer Laubbaum. Mindestens 100 m Baumreihe.
 
Total mind. 10, max. 120 finanzierte Bäume pro Betrieb.
Technische Bedingungen und PlanungBei Agroforstsystemen wird eine Beratung empfohlen. Wichtige planerische Aspekte sind:
• Standortanalyse
• Entscheid extensiv (Wertholz) oder intensiv (Fruchtproduktion)
• Baumartenwahl
• Planung der Folgejahre (anfallende Arbeiten, Arbeitskräfte)
• Absprachen mit Lohnunternehmen (Saat, Dreschen, etc.)

Bei Teilnahme am BFF-Beitragsprogramm „Hochstamm-Feldobstbäume“ und/oder „Standortgerechte Einzelbäume oder Alleen“ müssen die entsprechenden Richtlinien erfüllt werden. Spezifische Informationen sind bei der entsprechenden kantonalen Fachstelle zu erfragen.
Pflege / Unterhalt und NutzungPflege / Unterhalt:
• Anfangs jährliche Pflege (Obstbaumschnitt oder Wertasten), anschliessend mit grösseren Abständen
• Wurzelerziehungsschnitt
• Jährliche Bearbeitung des Grünstreifens
• Regelmässige Kontrolle auf Nagerpräsenz, ggf. Umsetzung von Massnahmen gegen Mäuse

Nutzung:
• Ernte der Früchte
• Wertholz
Rechtliche Aspekte (Raumplanung, Bewilligungen)• Bei Pachtflächen das Einverständnis der Eigentümerschaft einholen 
• Bei bestehendem Drainagesystemen ist Vorsicht geboten. Die Baumwurzeln können Rohrsysteme dauerhaft schädigen. Bei Sanierungen mit kantonaler finanzieller Unterstützung werden durch Wurzeln (v.a. Neupflanzungen) geschädigte Drainagen teilweise nicht unterstützt. 
Synergien, Zielkonflikte und SchnittstellenSynergien:
• Biodiversität
• Landschaftsbild / Vernetzung

Zielkonflikte:
• Vogelschutz (Bodenbrüter)
• Drainagen

Schnittstellen:
• Keyline
• Hecken
• Versickerungsgräben entlang Höhenlinien
Kontakte und Expertise• AGRIDEA Abteilung Pflanzenbau, Umwelt
• Silvocultura
• Kantonale Biodiversitätsfachstellen
Weitere LinksAgroforstsysteme, AGRIDEA (2017)
IG Agroforst und weitere Informationen
Agroforst Podcast
Konfliktpotential mit Vogelschutz (Bodenbrüter)
BFF-Beitragsprogramm Richtlinien
Agrinatur – Biodiversität auf dem Landwirtschaftsbetrieb – Standortgerechte Einzelbäume und Alleen 

Extensive Weiden und Wiesen, Bunt- und Rotationsbrachen

Quelle: Ebenrain
Nr.Slow Water M13
BeschreibungDauerkulturen wie Wiesen, Weiden und Brachen tragen durch ihre durchgehende und intensive Durchwurzelung einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Erosionen und zur Verlangsamung des Oberflächenabflusses. 
WirkungDurch den Rückhalt von Regenwasser und die Verringerung des Oberflächenabflusses wird der Wasserabfluss verzögert und Abflussspitzen werden gedämpft. Gleichzeitig wird die Versickerung gefördert, sodass mehr Wasser im Boden gespeichert werden kann. Dieses Wasser steht den landwirtschaftlichen Kulturen zur Verfügung und trägt zur Grundwasserneubildung bei. Insgesamt verbessert sich die Bodenfeuchtigkeit, was insbesondere in trockenen Phasen von Vorteil ist.

Wirkung ausserhalb Wasserretention:
• Biodiversität
Kosten und FinanzierungBuntbrache in Fr. pro Hektare
• Saatgutkosten: 1‘100 – 1‘600.-
• Saatbettbereitung, Ansaat und Pflegemassnahmen (ÖLN 4-jährig): 99.-/Jahr
• Pflanzenschutzmittel Einzelstockbehandlung: 31.-/Jahr

Rotationsbrache in Fr. pro Hektare
• Saatgutkosten 650 – 750.-
• Saatbettbereitung, Ansaat und Pflegemassnahmen (ÖLN 2-jährig): 128.-/Jahr
• Pflanzenschutzmittel Einzelstockbehandlung: 31.-/Jahr
 
Bestehende Förderbeiträge (Direktzahlungen DZV, Strukturverbesserungen SVV):
• Für extensiv genutzte Wiesen und Weiden, sowie Bunt- und Rotationsbrachen jährliche BFF-Beiträge von Fr. 3.00 – 48.–/Are (abgestuft nach Zone, QI, QII, Vernetzung)
Beiträge Ressourcenprojekt Slow WaterKeine Slow Water Beiträge
BemerkungenVerpflichtungsdauer:
• Extensive Weiden und Wiesen: 8 Jahre
• Rotationsbrachen: 1 – 3 Jahren
• Buntbrachen: 2 – 8 Jahre

Extensive Weiden:
• BFF-Ausschlusskriterien bzgl. artenarmen Bestände beachten
Brachen:
• BFF-Ausschlusskriterien Unkräuter und Bekämpfungsschwellen beachten
Ausführungs-zeitpunktAnsaat Brachen zwischen 1. September und 30. April, Empfehlungen:
• Frühlingssaat: Mitte April (Mittelland)
• Herbstsaat: Ab September bis Mitte Oktober (nur bei hohem Druck frühjahrkeimender Unkräuter)
Technische Bedingungen und PlanungExtensive Wiesen
• Nährstoffarme, trockene oder feuchte, südexponierte Standorte, bei QII gelten spezielle Anforderungen
• Mit einer kantonalen Bewilligung ist eine Neuansaat für Wiesen mit unbefriedigender botanischer Zusammensetzung mit Heugras-, Heudruschsaat oder empfohlene Standardmischungen erlaubt.

Extensive Weiden
• Nährstoffarme Standorte, bei QII gelten spezielle Anforderungen sowie ergänzende Strukturen beachten (siehe Link am Ende)
• Bei QII: Spezielle Anforderungen an biologische Qualität der Flora sowie ergänzende Strukturen beachten
Wenn Extensive Wiesen und Weiden im TWW-Inventar gelistet sind, müssen die entsprechenden Richtlinien beachtet werden.
 
Rotations- und Buntbrache
• Standortwahl: Nur an Standorten mit geringem Unkrautdruck anlegen, vernässte und verdichtete Böden sowie sehr schattige Standorte vermeiden
• Abstand zu Gehölzstrukturen: Nähe zu Hecken und Waldrand vermeiden, da eine grössere Gefahr des Samenflugs von unerwünschten Arten wie Ackerkratzdisteln, Goldruten oder Japanknöterich sowie das Einwachsens von Dornen- und Pioniergehölzen besteht.
• Saatgut: Vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bewilligte Saatmischungen mit einheimischen Wildkräutern oder -gräsern verwenden.
• Saatbettvorbereitung: Erste Grundbodenbearbeitung 6 bis 8 Wochen vor der Saat. Zur Unkrautkur mehrmalige oberflächliche Bearbeitung mit Federzahnegge oder Striegel 
• Aussaat: Oberflächliche Saat, da es sich um Lichtkeimer handelt. Geeignet sind Handsaaten oder Maschinen mit präziser einstellbarer Breitsaat (z.B. Typ Krummenacher)
• Nachbearbeitung: Walzen nach der Saat ist zwingend erforderlich, idealerweise mit einer Rauwalze
• Nicht empfohlen: Drillsaat oder Direktsaat
Pflege / Unterhalt und NutzungPflege
Brachen generell
• Pflegeaufwand: 1. Jahr ≈ 20 h/ha, ab 2. Jahr ≈ 30 – 50 h/ha, regelmässige Kontrollgänge sind zentral, um das Aufkommen von Problempflanzen frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen
• Mechanische Unkrautbekämpfung, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist nur zur Nesterbehandlung spezifischer Problempflanzen erlaubt.
• Keine Düngung erlaubt

Buntbrache
• Ein Reinigungsschnitt im ersten Jahr bei grossem Unkrautdruck ist erlaubt
• Ein Schnitt ab dem 2. Standjahr ist zwischen dem 1. Oktober und 15. März auf der Hälfte der Fläche erlaubt
• Auf der geschnittenen Fläche wird eine oberflächliche Bodenbearbeitung empfohlen

Rotationsbrache
• Ein Schnitt ist erlaubt zwischen 1. Oktober und 15. März

Extensive Wiesen
• Keine Düngung (ausser durch Weidetiere)
• Mechanische Unkrautbekämpfung, eine Einzelstockbehandlung von Problempflanzen ist dann erlaubt, wenn diese mit angemessenem Aufwand mechanisch nicht bekämpfbar sind

Nutzung
Brachen generell
• Der Futterwert des Schnittguts ist eher gering

Extensive Wiesen
• Mind. ein jährlicher Schnitt (ab 15. Juni Talzone, ab 1. Juli Hügelzone)
• Schnittgut darf beim Mähvorgang nicht zerkleinert werden und muss abgeführt werden
• Sofern nichts anderes mit der kantonalen Fachstelle vereinbart wird ist eine Herbstweide, als letzte Nutzung des Aufwuchses, bei günstigen Bodenverhältnissen vom 1. September bis 30. November erlaubt.

Extensive Weiden
• Mind. 1 jährliche Weidenutzung
• Säuberungsschnitte sind erlaubt
Synergien und Zielkonflikte Synergien:
• Biodiversität
• Landschaft / Vernetzung

Zielkonflikte:
• Ertragsminderung
• Aufkommen von Problempflanzen (auch in Folgekulturen möglich)
Kontakte und Expertise• AGRIDEA Abteilung Umwelt, Landschaft 
• Kantonale Biodiversitätsfachstellen
Weitere LinksDeckungsbeiträge BFF
Beiträge Biodiversitätsförderflächen und Nützlingsstreifen
• Brachen Ausschlusskriterien Unkräuter und Bekämpfungsschwellen: ABC zur Anlage, Pflege & zum Aufheben von Brachen – Agripedia
• Merkblatt Neuansaat artenreicher Wiesen
• Video Neuanlage Blumenwiese
• Merkblatt Direktbegrünung artenreicher Wiesen in der Landwirtschaft

Saum auf Ackerland

Quelle: Ebenrain
Nr.Slow Water M14
BeschreibungEin Saum auf Ackerland ist ein angesäter krautiger, extensiver Streifen auf dem Ackerland mit einer Breite von 5 bis 12 Metern. Er steht mindestens 2 Vegetationsperioden am selben Ort (kantonsspezifische Anforderungen abklären). Die Vielfalt an Pflanzen wirkt sich positiv auf die Durchwurzelung und Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens aus. Zudem verlangsamen Säume in Hanglagen abfliessendes Wasser nach Starkniederschlägen und fördern die Infiltration von Regenwasser.
WirkungDurch den Rückhalt von Regenwasser und die Verringerung des Oberflächenabflusses wird der Wasserabfluss verzögert und Abflussspitzen werden gedämpft. Gleichzeitig wird die Versickerung gefördert, sodass mehr Wasser im Boden gespeichert werden kann. Dieses Wasser steht den landwirtschaftlichen Kulturen zur Verfügung und trägt zur Grundwasserneubildung bei. Insgesamt verbessert sich die Bodenfeuchtigkeit, was insbesondere in trockenen Phasen von Vorteil ist.

Wirkung ausserhalb Wasserretention:
• Biodiversität & Vernetzung
• Pufferzone zu Nachbarzellen (Schutz Pflanzenschutzmittel-Abdrift)
• Erosionsminderung
Kosten und Finanzierung• Saatgut: Fr. 2’200 – 2’900.-/ha
• Saatbettbereitung, Ansaat und Pflegemassnahmen (ÖLN 8-jährig): Fr. 59.-/ha und Jahr
• Pflanzenschutzmittel-Einsatz als Einzelstockbehandlung: Fr. 31.-/ha und Jahr
 
Bestehende Förderbeiträge (Direktzahlungen DZV, Strukturverbesserungen SVV): Für Säume auf Ackerland jährliche BFF-Beiträge zwischen Fr. 33 und 43.–/Are (abgestuft QI, Vernetzung).
Beiträge Ressourcenprojekt Slow WaterKeine Slow Water Beiträge
BemerkungenMindestens zwei Vegetationsperioden am gleichen Standort
Ausführungs-zeitpunkt• Frühjahresaussaat: Für sowohl feuchte als auch trockene Standorte wird eine Aussaat im Frühjahr von April bis Mai empfohlen.
• Herbstaussaat: Anfang bis Ende Oktober. Nur bei hohem Druck frühjahrskeimender Unkräuter sinnvoll.
Technische Bedingungen und Planung• Saumbreite: 5 – 12 Meter
• Boden: Geeignet für trockene bis frische Böden (Saum trocken) sowie feuchte bis nasse Böden (Saum feucht)
• Ungeeignete Flächen: Mit starkem Unkrautdruck, viel Beschattung, Nähe zu Obstgärten (Gefahr durch Mäuse)
• Saatgut: Verwendung vom BLW bewilligte Saatmischungen mit einheimischen Wildkräutern und -gräsern (Mischungen für trockene oder feuchte Standorte).
• Saatbettvorbereitung: Erste Grundbodenbearbeitung 6 – 8 Wochen vor der Aussaat. Mehrmalige oberflächliche Bearbeitung mit Federzahnegge oder Striegel (Unkrautkur). Das Saatbeet sollte mittelfein und mindestens 3 Wochen abgesetzt sein (vergleichbar mit Getreidesaat)
• Aussaat: Oberflächliche Saat (Lichtkeimer), Handsaat oder mit exakt einstellbarer Breitsaat (z.B Typ Krummenacher), wichtig: Nach der Saat walzen (Rauwalze empfohlen)
Pflege / Unterhalt und Nutzung• Pflegeaufwand: Im 1. Jahr ca. 20 Std. / ha, ab dem 2. Jahr 30 – 50 Std. / ha
• Regelmässige Kontrollgänge sind entscheidend, um frühzeitig aufkommende Unkräuter zu erkennen und zu bekämpfen.
• Mechanische Unkrautbekämpfung, eine Einzelstockbehandlung von Problempflanzen ist dann erlaubt, wenn diese mit angemessenem Aufwand mechanisch nicht bekämpfbar sind
• Reinigungsschnitte sind im ersten Jahr bei grossem Unkrautdruck erlaubt
• Die Hälfte des Saums muss alternierend einmal jährlich in Längsrichtung gemäht werden. Empfohlener Schnittzeitpunkt für eine höhere Biodiversitätswirkung ist die zweite Augusthälfte.
• Das Schnittgut muss nicht abgeführt werden
• Keine Düngung erlaubt

Nutzung:
• Futterwert eher gering
KontrollePeriodische Unterhaltskontrolle durch Landwirtschaftsamt
Synergien und Zielkonflikte Synergien:
• Biodiversität
• Landschaft / Vernetzung

Zielkonflikte:
• Ertragsminderung
• Durchwuchs in Folgekultur (Geeignete Folgekulturen Mais, Kunstwiese, Getreide)
Kontakte und Expertise• AGRIDEA Abteilung Natur, Umwelt
• Kantonale Biodiversitätsfachstellen
Weitere LinksDeckungsbeitrag 2023
• Artikel Saatgut für Saum und Brache: Nun verfügbar, aber teuer
• Überblick über die Biodiversitätsförderflächen und Nützlingsstreifen und ihre Beiträge
BFF-Ausschlusskriterien Deckungsgrad Unkräuter
• Steckbrief Saum auf Ackerfläche
• Merkblatt Artenreicher Saum
• Video Saum auf Ackerland 
• Bewilligte BLW Saatmischungen
• Steckbrief Arten in Saatgutmischungen

Überführung mehrjähriges Ackerland in Grünland 

Quelle: Ebenrain
Nr.Slow Water M15
BeschreibungDie Umwandlung offener Ackerfläche in Dauergrünland (Natur- oder Extensivwiese) trägt insbesondere in gefährdeten Hanglagen zur Verringerung der Bodenerosion und zur Verlangsamung des Wasserablaufs bei.
WirkungDurch die ganzjährige Bodenbedeckung und -durchwurzelung wird Regenwasser sowie Oberflächenabfluss besser zurückgehalten und versickert vermehrt im Boden. Dadurch wird Bodenerosion wirksam entgegengewirkt, der Abfluss verzögert und Abflussspitzen werden gedämpft. Das Wasser steht den Kulturen länger zur Verfügung, die Bodenfeuchtigkeit erhöht sich und das Grundwasser wird gespeist.

Wirkung ausserhalb Wasserretention:
• Verringerung Nitratauswaschung
• Erhöhung Bodenfruchtbarkeit
Kosten und FinanzierungInvestitions- und Unterhaltskosten:
• Bodenbearbeitung: Fr. 200 – 600.-
• Saatgut länger andauernde Mischung für Naturwiesen 30 – 40 kg/ha Fr. 400.-
• Saatgut Extensivwiese z.B. Salvia 40 kg/ha (Fromentalwiese) Fr. 2‘000
• Ansaat Fr. 50 – 150.-
• Pflege im 1. Jahr Fr. 100 – 300.-
Beiträge Ressourcenprojekt Slow WaterEinmalig CHF 2’000.–/ha bei Überführung mehrjähriges Ackerland (mind. 3 Jahre als offenes Ackerland bewirtschaftet) in Dauergrünland
BemerkungenDie Massnahme ist sehr schnell und mit geringem Arbeitsaufwand (Bodenbearbeitung, Saatbettvorbereitung, Saat) umsetzbar. Um sinnvoll zu sein, muss diese Massnahme jedoch in einem räumlichen Konzept auf Landschaftsebene eingebettet sein. Die Massnahme eignet sich besonders für stark erosionsgefährdete oder bereits für die Futtermittelproduktion genutzte Ackerflächen.
Technische Bedingungen und Planung• Herbstaussaat: Ende August bis Mitte Oktober
• Frühjahressaat: nur bei günstigen Bedingungen empfehlenswert März bis Mai
Pflege / Unterhalt und NutzungSchnitt- oder Mähnutzung, bei Extensivwiesen Anforderungen der kantonalen Fachstellen berücksichtigen
Synergien und Zielkonflikte Synergien:
• Bodenschutz, deutliche Reduktion der Erosion und des Oberflächenabflusses
• Konservierung und gegebenenfalls Aufbau von organischer Bodensubstanz durch den Landnutzungswandel.
• Bei Umwandlung in ungedüngtes Grasland, Verringerung der N2O-Emissionen
• Bei der Anlegung einer artenreichen, extensiven Wiese, kann ein Beitrag zur Förderung der Biodiversität geleistet werden. Die Etablierung einer artenreichen Wiese und ihre Erhaltung sind jedoch auf früher ackerbaulich genutzten und deshalb meistens nährstoffreichen Böden eine grosse Herausforderung.
 
Zielkonflikte:
• Verlust Acker-Begleitflora
• Reduktion der direkten Lebensmittelproduktion, ausser wenn Flächen der Acker-Futterproduktion in Dauergrünland umgewandelt werden. Deshalb kann diese Massnahme nur auf einem kleinen Teil der Ackerbaufläche sinnvoll sein.
Kontakte und Expertise• Agrofutura
• Agroscope Abteilung Forschungsgruppe Futterbau und Graslandsysteme
Weitere Links• Merkblatt Umwandlung von Ackerland in Dauergrasland

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Slow Water

Slow Water – Wasserretention im Kulturland Hydrotechnische Massnahmen