Legehennenbranche
Dieser Artikel stellt die Merkmale und die Organisation der Legehennenbranche in der Schweiz vor, von der Produktion bis zur Vermarktung.
Organisation der Eierproduktion in der Schweiz
In der Schweiz zeichnet sich die Legehennenhaltung durch eine sehr grosse Anzahl von Betrieben aus (12 985 im Jahr 2023, durchschnittlicher Bestand im Jahr 2023 gemäss Tierzählung 2024, BFS 2025). Betriebe mit mehr als 2000 Hühnern machen nur 4 % der Betriebe in der Schweiz aus, halten aber 81 % des Bestands. Es ist also eine Minderheit spezialisierter Betriebe, die die Eierproduktion in grossem Massstab sicherstellt.
Kleine und mittlere Betriebe (mit weniger als 2000 Hennen) verkaufen ihre Eierproduktion direkt oder über kurze Vertriebswege. Etwa ein Drittel der Eierproduktion in der Schweiz (30 %) wird direkt vom Produzenten an den Verbraucher verkauft. Diese Betriebe leisten zusätzliche Arbeit, nämlich den Verkauf des Produkts.
Die grossen Betriebe, die zwei Drittel der Eier produzieren, stehen meist unter Vertrag mit Abnehmern. Das bedeutet, dass sie ihre gesamte Produktion (oder nur einen Teil davon) an ihren Abnehmer liefern. Einige wenige grosse Betriebe schaffen es auch, ihre Eierproduktion selbst zu vermarkten, aber das ist eher selten.
In der konventionellen Produktion werden etwa zwei Drittel der Hennen nach einem Jahr Produktion (etwa 300 Eier pro Huhn) ersetzt. Ein Drittel produziert in verlängerter Rotation (bis zu 1,5 Jahre, etwa 450 Eier pro Huhn ohne Mauser). In der biologischen Produktion beträgt der Anteil der verlängerten Rotationen etwa 80 %.
Die Eierproduktion in der Schweiz hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Sie hat 2019 die Milliardengrenze überschritten und laut Zahlen von Aviforum im Jahr 2024 sogar 1,124 Milliarden Eier erreicht. Trotz dieses anhaltenden Wachstums kann die einheimische Eierproduktion den Schweizer Bedarf noch nicht decken. Der Anteil der Schweizer Eier am Gesamtbedarf des Landes (Eier in der Schale + verarbeitete Eier) beträgt im Jahr 2024 63 %. Die Versorgungsquote für Eier in der Schale allein ist besser und seit mehreren Jahren relativ stabil: 72 % im Jahr 2024 (Aviforum, 2025).

Schema der Schweizer Wertschöpfungskette Legehennen
Abbildung 1: Schema der Schweizer Wertschöpfungskette Eier im Jahr 2024
Quelle: F. Gresset, AGRIDEA (Daten für 2024 gemäss Aviforum und BFS)
Produktion
Im Jahr 2023 verteilen sich die verschiedenen Haltungsformen für Legehennen in der Schweiz wie folgt (Abbildung 2):
Quelle : Aviforum
Der Anteil der Labels bei Eiern ist besonders hoch: 89,7 % der GVE-Hühner haben Zugang zu Freilandhaltung (Bio und konventionell, Agrarbericht 2025).
Die folgende Grafik (Abbildung 3) zeigt die Zunahme von Freilandeiern zwischen 2014 und 2024, wobei sich die Produktion in zehn Jahren verdreifacht hat (BLW, 2025). Dieser Anstieg ist insbesondere auf die Entscheidungen der grossen Einzelhandelsketten (Coop und Migros) zurückzuführen, die marktführend sind. So bietet Migros seit Ende 2020 neben Bio-Eiern nur noch Schweizer Eier aus Freilandhaltung in seinen Regalen an. Im Jahr 2022 ging der Einzelhändler noch einen Schritt weiter und schrieb allen seinen Produzenten den IP-Suisse-Standard vor. Der Anteil der Bodenhaltung ist in den letzten zehn Jahren stark zurückgegangen: Zwischen 2014 und 2024 sank diese Produktion um mehr als die Hälfte. Dabei ist zu beachten, dass ein erheblicher Teil der Eier nicht eindeutig einer Kategorie zugeordnet werden kann.
Abbildung 3 – Entwicklung der Schweizer Eierproduktion in Millionen Stück nach Produktionsart (2014–2024)
Quelle: BLW, Bereich Marktanalysen
Die Produktion von Bio-Eiern hat in den letzten Jahren zugenommen und macht 2024 nun 19,4 % der in der Schweiz produzierten Eier aus (Aviforum, 2025). Praktisch 100 % der Bio-Eier des Landes tragen das Knospe-Label. Coop vertreibt seit langem BioSuisse-Eier (seit 1993). Seit 2023 ersetzt Migros schrittweise das Migros-Bio-Label durch die Knospe.

Einkauf und Verarbeitung
Wichtigste Schweizer Abnehmer
In der Schweiz sind im Jahr 2024 die folgenden fünf Abnehmer die wichtigsten Vertragspartner der Eierproduzenten (Aviforum 2025): Lüchinger+Schmid (16 % der Eierproduktion in der Schweiz), EiCO (15,8 %), Ei AG (14,3 %), Hosberg (9,2 %, auf Bio-Eier spezialisiertes Unternehmen), F & F (8,9 %) und Fischer Eier (4,4 %). Diese verschiedenen Abnehmer beliefern Coop und Migros sowie andere Ketten und Discounter. Einige verfügen über Koch- und Färbereien und sind auch im Bereich Eiprodukte tätig.
Eiprodukte
14 % der Schweizer Eier wurden 2024 zu Eiprodukten verarbeitet. Diese Verwertung von Eiern nimmt jedes Jahr zu, da immer mehr Verarbeitungsbetriebe, Grosshändler, Bäckereien und Restaurants solche Produkten nachfragen. Bei diesen Eiprodukten kann es sich um Eigelb, Eiweiß oder gebrauchsfertige ganze Eier handeln. Im Jahr 2022 erreichte die Verarbeitung von Schweizer Eiern zu Eiprodukten aufgrund eines Rückgangs des Verbrauchs (Eierüberschuss) einen Rekordwert. Die Verwendung von Schweizer Eiern bei der Herstellung von Produkten ist jedoch bei weitem nicht die Regel. Einige große Marken haben Spitzenprodukte, die sich auch ohne das Schweizer Kreuz sehr gut verkaufen, sodass sie keine Schweizer Eier verwenden.
Vertrieb und Verbrauch
Die beiden größten Einzelhändler (Coop und Migros) haben etwa 75 % des Marktanteils im Einzelhandel. Der Rest der Eier wird direkt, in kleinen Geschäften, in der Gastronomie usw. verkauft.
65 % der in der Schweiz verkauften Eier sind weiss. Die Produktion von braunen Eiern ist etwas teurer (etwa 1 Rappen), da Legeleistung und Futterverwertung der braunen Hennen etwas schlechter sind.
Der Anteil importierter Eier (Eier in der Schale und verarbeitete Eier) am Gesamtverbrauch beträgt im Jahr 2024 38 % (BLW, 2025). Ein Teil der importierten Eier ist in Lebensmittelzubereitungen «versteckt», beispielsweise in Keksen oder Teigwaren. Inoffizielle Schätzungen des BLW zeigen, dass die Verwendung dieser importierten Eier in Lebensmittelzubereitungen tendenziell zunimmt.
Auch in der Hotellerie (Eier zum Frühstück) finden sich noch viele importierte, billige Eier.
Eierkonsum
Zwischen 2014 und 2024 stieg der jährliche Eierkonsum pro Person in der Schweiz von 178 auf 198 Stück, was einer Zunahme von 20 Eiern pro Person entspricht (Abbildung 4). Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt jedoch immer noch deutlich unter dem Durchschnitt einiger Nachbarländer.
Abbildung 4 – Entwicklung des jährlichen Eierverbrauchs pro Kopf in der Schweiz (2014–2024)
Quelle: BLW
Eierpreise
Der Preisunterschied zwischen Bodenhaltung und Freilandhaltung ist gering (Tabelle 1). Theoretisch soll der RAUS-Beitrag die Mehrkosten der Freilandhaltung ausgleichen.
Tabelle 1: Eierpreise für Produzenten und Konsumenten im Jahr 2024
| Produzentenpreis (Rp./Ei) | Konsumentenpreis (Rp./Ei) | |
| Importierte Eier (Bodenhaltung) | 29 | |
| Eier aus Bodenhaltung | 21 | 40 |
| Eier aus Freilandhaltung | 24 | 63 |
| Bio-Eier | 46 | 87 |
Schlachtung und Verwertung von ausgemusterten Legehennen
Der Teil, der die Schlachtung von Legehennen betrifft, erscheint nicht auf der Branchenkarte, obwohl es ein Verwertungspotenzial für das Fleisch ausgemusterter Hühner gibt. Die Genossenschaft Gallo Circle ist eine Plattform, die ausgemusterte Legehennen übernimmt und vermarktet. Sie ist in der ganzen Schweiz tätig. Gallo Circle schätzt, dass 80 % der ausgemusterten Hühner in der Schweiz im Jahr 2024 geschlachtet wurden, um in die Nahrungskette zu gelangen (LID, 2025). Das Ziel von Gallo Circle ist es, diese Zahl weiter zu steigern. Die restlichen Hühner (20 %) werden in Biogasanlagen energetisch verwertet. Diese Lösung ist nach wie vor wichtig, da sie jederzeit einen Absatzmarkt für ausgemusterte Hühner bietet. Allerdings ist dies eine wenig effiziente Verwertung (Verschwendung von Nahrungsproteinen). Anfang 2023 beteiligte sich Gallo Circle am Kauf des Legehennen-Schlachthofs in Ertingen (D), der bereits einen Grossteil der Schweizer Hühner schlachtete. Die Schlachtung von Legehennen erfordert eine spezielle Kette und kann nicht in Mastpoulets-Schlachthöfen durchgeführt werden. Auch andere Unternehmen verwerten das Fleisch von ausgemusterten Hühnern, allerdings mit geringeren Schlachtkapazitäten.
Gallo Suisse und Gallo Circle tragen das Projekt «Das Schweizer Huhn, ein nachhaltiges Fleisch» voran, dessen Ziel es ist, das Fleisch von ausgemusterten Hühnern besser zu verwerten. Es werden verschiedene Produkte angeboten, darunter das berühmte Suppenhuhn.
Quellen
- Agrarbericht 2025, www.agrarbericht.ch
- AGRIDEA et Aviforum, Aktuelles aus der Geflügelproduktion, Kurs 25.033, 7. Mai 2025
- Agristat, statistisches Monatsheft 2024-01, erschienen am 12.02.2024, 126 Seiten.
www.sbv-usp.ch > Services > Agristat – Statistik der Schweizer Landwirtschaft - Agristat, Statistische Erhebungen und Schätzungen über Landwirtschaft und Ernährung 2023, Kapitel 4 – Versorgungsbilanzen, erschienen 2024, 23 Seiten.
www.sbv-usp.ch > Services > Agristat – Statistik der Schweizer Landwirtschaft - Aviforum, Geflügelwirtschaft in Zahlen und Grafiken, 2024. www.aviforum.ch > Wissen > Zahlen, Fakten, Wissenswertes
- Baumann Jasmine, LID: Huhn und Ei gehören zusammen, aktualisiert am 11. Juni 2025 (aufgerufen am 1. Juli 2025)
- Bioaktuell.ch, Alle Küken leben, Fragen und Antworten. Letzte Aktualisierung der Seite: 06.11.2024, aufgerufen am 13.01.2025. Link zur Seite
- Bio Suisse, Richtlinien, Fassung vom 1. Januar 2025. www.biosuisse.ch > Unser Verband > Verbandsinformationen › Richtlinien
- BLV (2025): Tierische Nebenprodukte: Neue Bestimmungen ab dem 1. Januar 2026. Informationsblatt zu den wichtigsten Neuerungen. Link
- BLW, Fachbereich Marktanalysen: Eiermärkte. www.agrarmarktdaten.ch > Märkte > Eier
- BLW, Fachbereich Marktanalysen: Geflügelfleischmarkt.
www.agrarmarktdaten.ch > Märkte > Fleisch, Fleisch- und Wurstwaren - BLW, Aufschlag- und Verbilligungsaktionen Eier. Ausschreibungsbekanntmachung über Marktentlastungsmassnahmen für inländische Konsumeier im Jahre 2024. 8 März 2024, www.blw.admin.ch
- Boessinger M. et Hoffet F., AGRIDEA, Vergleichende Betrachtung zu Tierschutz und Tierwohl in der Fleischproduktion zwischen der Schweiz und ihren Importländern 2018. Link zum Herunterladen
- EDI (2011): Verordnung über tierische Nebenprodukte (VTNP). 916.441.22. Stand am 1. Januar 2026. https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2011/372/de
- EDI (2025): Verordnung über die Verwertung von tierischen Nebenprodukten als Futtermittel und als Dünger (VVTNP). 916.441.224.1. Stand am 1. Januar 2026. https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2025/786/de?version=20251231
- GalloSuisse, Informationen zur Schweizer Branchenlösung Ausstieg aus dem Kükentöten: « Schweizer Eier ab 2025 noch nachhaltiger dank Branchenlösung für die Küken ». www.gallosuisse.ch > Hühner > Branchenlösung Küken
- Gloor Andreas, Aviforum: « Produktion, Import und Verbrauch von Eiern und Geflügelfleisch 2024 ». Schweizer Geflügelzeitung 4/25, Seiten 3-4
- Pillonel Ludovic, « La filière des poulets d’engraissement s’interroge sur ses perspectives d’avenir », in Agri, Seite. 15, 21. Januar 2022
- Proviande, Der Fleischmarkt im Überblick, 50 Seiten. Link zum Herunterladen
- Soja Netzwerk Schweiz, Jahresbericht 2023, 18. März 2024, 14 Seiten. Link zum Herunterladen
- Zimmerli Urs: «Tierische Proteine wieder in der Nutztierfütterung?» in UFA Revue, Seiten 32-33, 11/2022
Nützliche Links
- www.agrarbericht.ch
- www.agrarmarktdaten.ch
- www.aviforum.ch
- www.bfs.admin.ch
- www.bioaktuell.ch
- www.bio-suisse.ch
- www.blv.admin.ch
- www.gallosuisse.ch
- www.sbv-usp.ch
- www.sojanetzwerk.ch
- www.vsf-mills.ch
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