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Tierhaltung

Herausforderungen in der Geflügelbranche

Diese Seite stellt einige der aktuellen Herausforderungen für die Geflügelbranche dar (die Liste ist nicht erschöpfend).

Inhaltsverzeichnis

Merkmale der Geflügelbranche

Mastgeflügelbranche

Legehennenbranche

Herausforderungen in der Geflügelbranche

Diese Seite stellt einige der aktuellen Herausforderungen der Geflügelbranche vor (Liste nicht vollständig).

Herkunft der Lebensmittel

Bei Geflügel nimmt Kraftfutter (energie- und proteinreich) einen wichtigen Platz in der Ration ein. Im Jahr 2022 betrug der Anteil von Kraftfutter in der Ration (insbesondere Getreide) bei Geflügel 97 %, gegenüber 10,5 % bei Rindern. Der Anteil der inländischen Produktion an Geflügelfutter betrug 23%, während er bei Rindern 89% betrug (Agristat, 2024, vorläufige Zahlen). Geflügelfutter stammt daher größtenteils aus Importen, insbesondere weil die Produktion von einheimischem Futtergetreide in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen ist. Bei den Energiefuttermitteln ist ein erheblicher Mangel an Futterweizen zu verzeichnen, da der Anbau in der Schweiz ökonomisch nicht attraktiv genug ist. Die Produktion von Futtermais hat in den letzten Jahren zugenommen, ist jedoch stark wetterabhängig. Die Versorgung mit einheimischer Futtergerste ist sehr gut, aber Gerste kann nur in begrenzten Mengen in Geflügelrationen verwendet werden. Die Importe von Futterweizen und -mais stammen zu 100 % aus Europa, vorwiegend aus Frankreich und Deutschland (Schweizer Soja-Netzwerk, 2024). Im Bereich der Eiweißfuttermittel ist die Schweiz stark von Importen abhängig. Das in die Schweiz importierte Futtersoja für Tierfutter wird ohne Waldrodungen produziert. Im Jahr 2023 stammten 97% der Importe aus Europa und nur 3% aus Brasilien (Schweizer Soja-Netzwerk, 2024). Andere pflanzliche Proteine (Raps, Sonnenblumen, Hülsenfrüchte) sind nicht in ausreichender Menge verfügbar, um eine echte Alternative zu Soja darzustellen.

Neue einheimische Proteinquellen?

Seit dem 1. Januar 2026 dürfen bestimmte tierische Proteine (verarbeitete Tiermehle) unter genau festgelegten Bedingungen wieder in der Fütterung von Schweinen und Geflügel oder als Düngemittel verwendet werden. Die Verordnung über tierische Nebenprodukte (VTNP) wurde überarbeitet, und eine neue Verordnung des EDI (VVTNP) legt die Bedingungen für die Verwertung dieser Nebenprodukte fest. 

Die Geflügelhalter dürfen Schweineproteine und Insektenproteine an Geflügel verfüttern. Nur diese spezifischen Kombinationen sind für Geflügel zulässig. Für die Produktionsketten sind separate Anlagen erforderlich, und die kantonale Behörde registriert oder bewilligt die entsprechenden Betriebe. 

Insektenproteine bieten ein interessantes Potenzial für die Geflügelfütterung, da sie eine Diversifizierung der Proteinquellen ermöglichen und den Import von Proteinen reduzieren. Aktuelle Informationen über Insektenproteine finden Sie auf dem Agripedia-Portal

Mastpoulets

Importe und Tierschutz

Die Tierschutzstandards bei der Aufzucht von Mastpoulets sind in der Schweiz hoch. Brasilien liefert 84% des gefrorenen Hühnerfleischs, das in die Schweiz importiert wird (Aviforum, 2024). Die folgende Vergleichstabelle zeigt deutlich die Unterschiede in den Tierschutzstandards, insbesondere zwischen der Schweiz und Brasilien(Boessinger & Hoffet, 2018).

Abbildung 1 – Vergleich Tierschutzvorschriften für Geflügel im Jahr 2018
Quelle: Boessiger und Hoffet, 2018.

Legehennen

Saisonalität des Verbrauchs

Der Eiermarkt ist durch eine starke Saisonabhängigkeit des Verbrauchs gekennzeichnet. Während Weihnachten und Ostern im Allgemeinen gute Zeiten für den Eierverbrauch sind, ist es im Sommer schwierig, alle Schweizer Eier zu verkaufen. Der Bund bietet Marktentlastungsmaßnahmen für den Fall eines saisonalen Überangebots. Diese finanzielle Unterstützung erfolgt bei Kampagnen für aufgeschlagene Eier und Verkaufskampagnen zu reduzierten Preisen (Beitrag pro Ei für 2024: 9 Rp. pro aufgeschlagenem Ei und 5 Rp. pro zu reduziertem Preis verkauftem Ei, BLW 2024).

Marktsituation

Im Jahr 2024 stieg die Nachfrage nach Eiern viel schneller als die inländische Produktion, was zu einem Mangel an Schweizer Eiern führte. Aufgrund der pandemiebedingten Verbrauchsschwankungen wurde die Produktion vorsichtiger geplant und die Menge an Schweizer Eiern ging in den Jahren 2022 und 2023 zurück. Trotz eines erneuten Anstiegs der Produktion im Jahr 2024 mussten die Eierimporte erneut erhöht werden, um die Nachfrage zu decken. So stiegen die Importe von Konsumeiern und Eiern für die Verarbeitung um etwa 15%. Neue Hühnerställe wären notwendig, um die Eierproduktion zu erhöhen, aber diese Bauten benötigen viel Zeit und diverse Genehmigungen(Gloor A., 2025).

Globale Lösung für männliche Küken

Im Bio-Sektor entschied BioSuisse, dass alle Küken das Recht auf Leben haben sollten. Gleichzeitig sprach sich die Organisation gegen den Einsatz von Techniken zur Geschlechtsbestimmung im Ei aus. Ab 2026 wird es nicht mehr möglich sein, männliche Bio-Küken zu töten. Alle männlichen und weiblichen Küken müssen aufgezogen werden.

Die Hähne der Legelinien (Bruderhähne) weisen eine geringe Gewichtszunahme und Fleischigkeit auf und müssen daher überwiegend als Wurstwaren verwertet werden. Da dies nicht kostendeckend ist, muss die Aufzucht von Junghähnen querfinanziert werden, indem der Preis für Junghennen um 15 bis 17 Franken erhöht wird. In geringem Umfang werden auch Zweinutzungslinien verwendet. Deren Hähne weisen zwar eine bessere Mastleistung auf und können als ganze (Bio-)Hühner vermarktet werden, aber die Hennen haben eine deutlich schlechtere Legeleistung als die Legehybriden (negative genetische Korrelation).

In der konventionellen Produktionskette wurde die Technik der Geschlechtsbestimmung im Ei gewählt. Seit März 2025 sind die Anlagen zur Geschlechtsbestimmung in ovo in Betrieb und jedes Ei wird gescannt. Nur Eier von weiblichen Küken werden bebrütet (Gallo Suisse, 2024).

Unabhängig von der gewählten Lösung (Bio- oder konventioneller Sektor) steigen die Produktionskosten und der Preis der Eier für die Verbraucher wird um einige Rappen erhöht.

Quellen

  • Agrarbericht 2025, www.agrarbericht.ch
  • AGRIDEA et Aviforum, Aktuelles aus der Geflügelproduktion, Kurs 25.033, 7. Mai 2025
  • Agristat, statistisches Monatsheft 2024-01, erschienen am 12.02.2024, 126 Seiten.
  • www.sbv-usp.ch > Services > Agristat – Statistik der Schweizer Landwirtschaft
  • Agristat, Statistische Erhebungen und Schätzungen über Landwirtschaft und Ernährung 2023, Kapitel 4 – Versorgungsbilanzen, erschienen 2024, 23 Seiten.
  • www.sbv-usp.ch > Services > Agristat – Statistik der Schweizer Landwirtschaft
  • Aviforum, Geflügelwirtschaft in Zahlen und Grafiken, 2024. www.aviforum.ch > Wissen > Zahlen, Fakten, Wissenswertes
  • Baumann Jasmine, LID : Huhn und Ei gehören zusammen, aktualisiert am 11. Juni 2025 (aufgerufen am 1. Juli 2025)
  • Bioaktuell.ch, Alle Küken leben, Fragen und Antworten. Letzte Aktualisierung der Seite: 06.11.2024, aufgerufen am 13.01.2025. Link zur Seite
  • Bio Suisse, Richtlinien, Fassung vom 1. Januar 2025. www.biosuisse.ch > Unser Verband > Verbandsinformationen › Richtlinien
  • BLV (2025): Tierische Nebenprodukte: Neue Bestimmungen ab dem 1. Januar 2026. Informationsblatt zu den wichtigsten Neuerungen. Link 
  • BLW, Fachbereich Marktanalysen: Eiermärkte. www.agrarmarktdaten.ch > Märkte > Eier
  • BLW, Fachbereich Marktanalysen: Geflügelfleischmarkt.
  • www.agrarmarktdaten.ch > Märkte > Fleisch, Fleisch- und Wurstwaren
  • BLW, Aufschlag- und Verbilligungsaktionen Eier. Ausschreibungsbekanntmachung über Marktentlastungsmassnahmen für inländische Konsumeier im Jahre 2024. 8 März 2024, www.blw.admin.ch
  • Boessinger M. et Hoffet F., AGRIDEA, Vergleichende Betrachtung zu Tierschutz und Tierwohl in der Fleischproduktion zwischen der Schweiz und ihren Importländern 2018. Link zum Herunterladen
  • EDI (2011): Verordnung über tierische Nebenprodukte (VTNP). 916.441.22. Stand am 1. Januar 2026. https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2011/372/de  
  • EDI (2025): Verordnung über die Verwertung von tierischen Nebenprodukten als Futtermittel und als Dünger (VVTNP). 916.441.224.1. Stand am 1. Januar 2026. https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2025/786/de?version=20251231  
  • GalloSuisse, Informationen zur Schweizer Branchenlösung Ausstieg aus dem Kükentöten: « Schweizer Eier ab 2025 noch nachhaltiger dank Branchenlösung für die Küken ». www.gallosuisse.ch > Hühner > Branchenlösung Küken
  • Gloor Andreas, Aviforum: « Produktion, Import und Verbrauch von Eiern und Geflügelfleisch 2024 ». Schweizer Geflügelzeitung 4/25, Seiten 3-4
  • Pillonel Ludovic, « La filière des poulets d’engraissement s’interroge sur ses perspectives d’avenir », in Agri, Seite. 15, 21. Januar 2022
  • Proviande, Der Fleischmarkt im Überblick, 50 Seiten. Link zum Herunterladen
  • Soja Netzwerk Schweiz, Jahresbericht 2023, 18. März 2024, 14 Seiten. Link zum Herunterladen
  • Zimmerli Urs: «Tierische Proteine wieder in der Nutztierfütterung?» in UFA Revue, Seiten 32-33, 11/2022

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