Coaching von Betriebsleitenden für Betriebsleitende
Betriebscoaching
Das Projekt «Betriebscoaching» ist ein schweizweites Angebot zur horizontalen Wissensvermittlung zwischen Betrieben und wurde 2025 vom Schweizer Netzwerk für Agrarökologie Agroecology Works! lanciert. In einem persönlichen 1:1-Setting beraten erfahrene, innovative Leuchtturmbetriebe («Coaches») andere Betriebe direkt auf dem Hof zu konkreten Fragestellungen und Entwicklungsschritten. Sie teilen erprobte Praktiken aus der eigenen Betriebserfahrung und begleiten die Umsetzung vor Ort. Im Winter 2025/26 startete die Pilotphase mit 21 Leuchtturmbetrieben und rund 60 Coachings. Die vorgelagerte Testphase wurde wissenschaftlich durch das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) begleitet, um Erfolgsfaktoren sowie Herausforderungen des Ansatzes zu identifizieren. Nach jedem Coaching erhalten die Teilnehmenden einen Evaluationsfragebogen, um nach Abschluss der Pilotphase das Format auszuwerten und gezielt weiterzuentwickeln.
Das Angebot ist klar strukturiert und zugleich praxisnah: Betriebe wählen ihren Coachingbetrieb selbst und vereinbaren ein zwei- oder vierstündiges Coaching mit Vor- und Nachbereitung. Die Durchführung erfolgt auf dem Coachingbetrieb (z. B. im Stall oder auf dem Feld) und fokussiert auf konkrete betriebliche Vorhaben. Die Coaches werden für ihre Tätigkeit entschädigt. Ziel ist ein direkter, kollegialer Austausch, der Praxiswissen, Umsetzungskompetenz und betriebliche Weiterentwicklung verbindet.
«Im persönlichen Austausch teilen innovative Betriebe Praktiken und Modelle, die sie über die Jahre erprobt haben. So entstehen konkrete Ideen für eigene Projekte und Vertrauen in neue Wege.»
Technischer Mehrwert
Coaching-Inhalt ist offen und bedürfnisorientiert.
Durch die langjährige Erfahrung der Coaches können die Entwicklungen einzelner Massnahmen aufgezeigt werden.
Breites Angebot: 21 Leuchtturmbetriebe mit unterschiedlichen Coachingthemen.
Sozialer Mehrwert
Beratung auf Augenhöhe und Vernetzung zwischen den Betrieben.
Inspiration & Innovation
Leuchtturmbetriebe geben Inspiration für die eigene betriebliche Entwicklung und stärken das Vertrauen in die eigenen Entscheidungen.
Umsetzung
- Setting: Das Coaching findet auf dem gewählten Leuchtturmbetrieb statt.
- Treffen: Es werden zwei Coachingformate angeboten, für 2 Stunden oder 4 Stunden. Ein Vorbereitungsgespräch ist in beiden Formaten vorgesehen. Das Vierstündige Einzelcoaching umfasst zusätzliche zwei Nachbereitungsgespräche.
- Themen: Die Inhalte werden bedürfnisorientiert festgelegt. Die Wissensvermittlung basiert auf praktischer Betriebserfahrung der Coaches.
- Anmeldung: Direkt bei gewählten Leuchtturmbetrieb.
- Coachingbetrieb werden: Die Bewerbung als Coach erfolgt mit einem anschliessenden Aufnahmegespräch mit den Projektverantwortlichen. Eine spezielle Weiterbildung ist dafür nicht erforderlich.
Zuständigkeiten
Leuchtturmbetrieb
- Vermittlung praktischer Erfahrungen.
- Fachliche Beratung und Begleitung.
- Unterstützung bei betrieblichen Entwicklungsprozessen.
- Koordination vom Coaching mit den interessierten Betriebsleitenden.
Coaching Interessierte
- Anmeldung beim gewünschten Leuchtturmbetrieb mit dazugehörigem Anmeldeformular.
Agroecology Works!
- Auswahl und Hilfe bei Vermittlung der Coachingbetriebe.
- Projektkoordination und -leitung.
- Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.
Kosten
Erfahrungen
Was funktioniert gut?
- Hohe Motivation innovativer Betriebe zur Wissensweitergabe als Leuchtturmbetrieb.
- Teilnehmende Betriebsleitende setzen bereits kurz nach dem Coaching erste Massnahmen um und stossen Veränderungen an.
- Starker Praxisbezug der Beratung.
Was sind Herausforderungen?
- Kommunikation eines thematisch sehr breiten Angebots für eine grosse Zielgruppe.
- Mögliche Hürden für Betriebe, ein Coaching zu buchen:
- Kosten des Coachings bei gleichzeitig neuartigem Format und offenem Inhalt: Unsicherheit, ob Beratung genug «gewinnbringend» ist.
- Vierstündiges 1:1 Setting kann für einige abschreckend wirken, da es sehr persönlich ist und die Möglichkeit nicht besteht mit den Fragen und der Dynamik einer Gruppe mitzugehen.
- Bisher Rückmeldung: zweistündiges Coaching ist eher zu knapp.
Kritische Erfolgsfaktoren
- Niederschwelliger Zugang für Coaches und Betriebe.
- Auf Vertrauensaufbau mit den Teilnehmenden achten.
Stärkung des Ansatzes?
- Bottom-up Ansatz: Das Projekt ist aus den Bedürfnissen von Landwirt/-innen entstanden, die bereits regelmässig Anfragen bekommen haben und meist unentgeltlich ihr Wissen weitergegeben haben.
- Agroecology Works! übernimmt eine koordinierende Funktion (bspw. Kommunikation, Projektwebsite) und entlastet so die Coaches
Wichtigste Learnings
- Bereits in der Projektentwicklung den Peer-to-Peer Ansatz verfolgen und Landwirt/-innen bei der Erarbeitung des Projekts / Angebots miteinbeziehen.
