Arbeitskreise, im Rahmen eines Projekts
Klimaneutrale Landwirtschaft Graubünden
Die Pilotphase des Projekts «Klimaneutrale Landwirtschaft GR» startete 2021 mit 52 Betrieben. Im Rahmen des Projekts wurden Arbeitskreise (AK) zu den Themen Energie, Stallbau, Tierhaltung & Fütterung, Kompost, Humusaufbau & regenerative Landwirtschaft und Weinbau eingerichtet. Die Arbeitskreisleiter/-innen (interne und externe Beratungskräfte) wurden zuvor in der ProBio-Arbeitskreisleiterschulung ausgebildet.
Für die teilnehmenden Betriebe sind jährlich zwei Weiterbildungstage in Form von Arbeitskreisen vorgesehen. Diese Treffen sind verpflichtender Bestandteil des Projekts und werden entsprechend entschädigt. Das Jahr 2025 markiert das letzte Jahr der fünfjährigen Pilotphase. Die bestehenden Arbeitskreise werden nach Abschluss der Pilotphase nicht fortgeführt, ein Peer-to-Peer-Austausch für die anschliessende Expansionsphase ist jedoch geplant.
«Viele Diskussionen entstehen auf dem Betriebsrundgang: für diesen sollte unbedingt genügend Zeit und Raum eingeplant werden. Ebenfalls ist wichtig, dass real existierende Herausforderungen angeschaut werden, damit gemeinsam konkrete Lösungen erarbeitet und mit nach Hause genommen werden können.»
Technischer Mehrwert
Vorbereitete Betriebsbesichtigungen und gezielte Diskussionen zu konkreten Fragestellungen machen Herausforderungen sichtbar. Teilnehmende nehmen konkrete, Botschaft mit auf ihren Betrieb.
Sozialer Mehrwert
Gegenseitige Unterstützung bei Unsicherheiten stärken die Entscheidungssicherheit. Kontinuierliche Austauschkanäle (z.B. WhatsApp) zwischen den Treffen und Nachbereitung bei Absenzen helfen, den Zusammenhalt und die Dynamik der Gruppe aufrechtzuerhalten.
Lernimpulse
Der Austausch zu konkreten Fragestellungen und Erfahrungen innerhalb der Gruppe macht Transformationsschritte greifbar. Betriebsbesichtigungen ermöglichen praxisnahes Lernen und fördern die gemeinsame Erarbeitung von Lösungen.
Umsetzung
- Setting: Die Arbeitskreise werden als integraler Bestandteil des Projekts „Klimaneutrale Landwirtschaft GR“ durchgeführt. Die Treffen finden primär auf den Betrieben der Teilnehmenden statt, können aber auch externe Exkursionen umfassen. Die Gruppen bestehen idealerweise aus 10–12 Personen, um Austausch und Diskussion zu erleichtern.
- Treffen: Die Dauer der Treffen kann einen halben oder ganzen Tag betragen, meist wird ein ganzer Tag bevorzugt, um lange Anfahrtswege effizient zu nutzen.
- Themen: Energie, Stallbau, Tierhaltung & Fütterung, Kompost, Humusaufbau & regenerative Landwirtschaft sowie Weinbau. Inhalte und Ablauf werden von ausgebildeten AK-Leitenden vorbereitet und moderiert.
- Teilnahme: Für die teilnehmenden Betriebe sind zwei verpflichtende Weiterbildungstage pro Jahr vorgesehen. Absenzen werden nachbereitet, damit alle den Anschluss behalten. Die AK-Leitung protokolliert die Teilnahme in einer Teilnehmenden-Liste und meldet dies regelmässig der Projektleitung
- Koordination & Leitung: Die AK werden von internen oder externen Beratungspersonen geleitet, die vorgängig im Rahmen der ProBio-Arbeitskreisleiterschulung ausgebildet wurden. Sie organisieren die Treffen und koordinieren die Gruppen, kümmern sich um die Kommunikation mit den Mitgliedern und moderieren während den Anlässen. Ausserdem nehmen sie an einem jährlichen Treffen aller AK-Leitenden und den Projektverantwortlichen teil, um sich auszutauschen und Verbesserungsmöglichkeiten zu besprechen.
Zuständigkeiten
AK-Leitung
- Vorbereitung der Betriebsbesichtigungen zusammen mit dem Betriebsleiter.
- Moderation der Diskussionen während der Treffen.
- Nachbereitung bei abwesenden Teilnehmenden: wesentliche Inhalte des Treffens weitergeben
- Teilnahme am Jahrestreffen der AK‑Leitenden und Projektverantwortlichen.
- Protokollierung der AK-Teilnahmen.
AK-Mitglieder
- Pro Jahr verpflichtend zwei aktive Teilnahmen in AK.
- Einbringen eigener Erfahrungen zu konkreten Praxisfragestellungen
Projektleitung
- Regelmässiger Austausch mit AK-Leitenden über Verbesserungsmöglichkeiten.
- Kontrolle der Teilnahme und Einhaltung der Pflichtbestandteile.
Kosten
Erfahrungen
Was funktioniert gut?
- Zielführende Diskussionen: Wenn sich die Teilnehmenden um eine konkrete Fragestellung aus der Praxis (bspw. Kompostierung) austauschen können und eigene Erfahrungen zur Fragestellung der anderen Teilnehmenden einbringen können.
- Thematische Homogenität der Gruppe
- Austausch und Diskussionen auf dem Betriebsrundgang, deshalb Zeit und Raum dafür einplanen.
- Betriebsbesichtigungen: es werden real existierende Schwierigkeiten/Herausforderungen besprochen und gemeinsam nach konkreten Lösungen gesucht.
- Vorbereitungen der Betriebsbesichtigung mit Betriebsleitung. Inhalte der Vorbereitung u.a:
- Highlights herausarbeiten
- Anhand vorhandener Infrastruktur/Prozessen Schwierigkeiten sowie Herausforderungen aufzeigen
- Gemeinsam nach konkreten Lösungen suchen, die mitgenommen werden können
Was sind Herausforderungen?
Organisation und Kontinuität:
- Terminfindung: Je grösser die Gruppe, umso schwieriger. Ganztägige Termine sind sinnvoll wegen den grossen Reisedistanzen aber zusätzliche Hürde für Terminfindung
- «Schwung erhalten»:
- Hohe Arbeitsbelastung von AK-Leitende führt dazu, dass zwischen den Treffen die Moderation / das „am Laufen halten“ und je nach dem auch die Vorbereitung und Strukturierung der Treffen zu kurz kommt.
- Aufgrund der langen Anreisewege werden häufig ganztägige Treffen bevorzugt, was aber dazu führt, dass sich die Gruppe nur zweimal im Jahr sieht. Dies beeinträchtigt die Kontinuität und das Vertrauen im Austausch
- Gruppengrösse: In kleineren Gruppen ist zwar tendenziell der Zusammenhalt besser und die Diskussionen werden einfacher geführt. Kleinere Gruppen sind jedoch anfälliger auf kurzfristige Abmeldungen und Absenzen (sehr wenige TN am Treffen, stockender Austausch)
Inhalt/Wissensgenerierung:
- Keine Wissensgenerierung bei ungenügender Vorbereitung der Treffen (keine Definition und Kommunikation des Tagesziels, keine Erarbeitung einer konkreten Fragestellung, etc.)
- Situationsbedingt, wenn beispielsweise intensive Diskussionen stattfinden, darf von der Planung abgewichen werden. Generell sollte jedoch am vorgesehenen Inhalt festgehalten werden, um die geplanten Ziele zu erreichen und ein Resultat / Botschaft nach Hause nehmen zu können. Wenn es sehr heterogen wird, ist es für die Moderation herausfordernd, Thema und Vorhaben vor den Augen zu behalten und die Gruppe zielführend zu leiten.
Sinkende Motivation:
- Wenn keine konkrete Fragestellung vorhanden ist, die gemeinsam erarbeitet werden kann
- Wenn keine Erfahrungen zu Fragestellung vorhanden sind (von Seiten AK-Leitende und – Teilnehmende)
- Bei sehr inhomogener Gruppenzusammensetzung mit keinen gemeinsamen relevanten Themen die es zu erarbeiten gibt (keinen gemeinsamen Nenner)
- Wenn Zeitspanne zw. physischen Treffen (Pflichttage) zu weit auseinander liegt (sinkende Motivation durch fehlende Dynamik im Austausch)
- Wenn Gruppe in zwei Gruppierungen zerfällt: sehr motiviert vs. reine Pflichtausübung
Kritische Erfolgsfaktoren
- Klare Struktur / Moderation: Tagesziel, Ablauf/Programm, Verhaltensregeln, etc. zu Beginn vom Treffen bekannt geben
- Klares Tagesziel und konkrete zu erarbeitende Fragestellung hilft, die Diskussionen zielgerichtet zu führen.
- AK-LeiterIn: Der aktiven Arbeitskreisleitung kommt eine wichtige Rolle zu. Mit ihrem kontinuierlichen Einsatz wird der laufende Austausch aktiv gefördert/ eingefordert.
- Betriebsbesuche vorgängig gut vorbereiten (mit BL interessante Themen/Bereiche herauskristallisieren, Diskussion anhand konkreter Beispiele und Versuchen auf Betrieb führen). Ziel der Treffen: konkrete Lösungen erarbeiten
- Um Startschwierigkeiten neuer AK entgegenzuwirken: konkretes Thema behandeln, mit interessantem Fachreferat oder Betriebsbesichtigung starten. Dies «bricht das Eis» und bringt die Leute in den Austausch
Stärkung des Ansatzes?
- Wahl eines Fokusthemas pro Jahr
- «Gemeinschafts- und Mitwirkungsgefühl»: jedes AK-Mitglied leistet einen Beitrag (z.B. klärt etwas ab)
- WhatsApp-Gruppe: es kann ein Austausch auch ausserhalb der physischen Treffen stattfinden, der Schwung wird erhalten, auch wenn physische Treffen zeitlich weit auseinanderliegen
- Solide Ausbildung der AK-Leitende
Wichtigste Learnings
- Planung herausfordernd: frühzeitige Fixierung der Termine und Orte der Treffen / Betriebsbesuche / Exkursionen ist von Vorteil (Jahresplanung)
- Ausbildung der AK-Leiter ermöglicht abwechslungsreiche Gestaltung von AK-Treffen und sie können situationsbedingt korrekt steuern/eingreifen
- Eine gute Vorbereitung der Treffen (insbesondere Rekognoszieren von Betriebsbesichtigungen) ist wichtig.
- Programm der einzelnen Treffen nicht überladen, Zeit für Diskussionen einplanen: diese sind zentral
- Zwischendurch Feedback bei den AK-Teilnehmenden einholen, ob Format stimmt oder Anpassungsbedarf besteht

Impressum
Bilder: Projekt Klimaneutrale Landwirtschaft Graubünden (Titelbild); Dominique Dietiker, AGRIDEA (weitere Bilder)
Autor/-innen:
- Manuela Bächtold, AGRIDEA
- Marisa Furger, Plantahof
- Gianluca Giuliani, Flury & Giuliani