Arbeitskreise, geleitet von Landwirt/-innen
ProBio Arbeitskreise
Die ProBio Arbeitskreise (AK) sind ein schweizweites Programm initiiert durch Bio Suisse. Vor rund 10 Jahren gestartet, sind mittlerweile 55 Arbeitskreise aktiv. In kleinen, konstanten Gruppen treffen sich Landwirt/-innen regelmässig zum strukturierten Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe. Eine Besonderheit der ProBio-AK ist, dass sie von Landwirt/-innen selbst organisiert, geleitet und moderiert werden. Die Arbeitskreis-Leitenden absolvieren vorgängig eine kostenlose, zweitägige Moderationsausbildung (für Knospe-Produzent/-innen) und werden für ihre Tätigkeit entschädigt. Sie werden eng durch die Programmleitung begleitet und profitieren von jährlichen Weiterbildungen.
Die Arbeitskreise agieren weitgehend selbstständig: Innerhalb des von Bio Suisse gesetzten Rahmens bestimmen die Gruppen Themen, Programm, Verpflichtungen und Regeln eigenständig und sind zugleich mit Beratung und Forschung vernetzt. Die Teilnahme steht auch nicht zertifizierten Betrieben offen, um den Austausch zwischen unterschiedlichen Produktionsansätzen (konventionell, biologisch und biodynamisch) gezielt zu fördern.
«Arbeitskreise sind nicht nur wertvoll in „technischen“ Aspekten, sondern sie helfen auch persönliche Herausforderungen zu lösen: die soziale Dimension ist nicht zu unterschätzen!.»
Technischer Mehrwert
Gezielter Erfahrungsaustausch, praxisnahe Lösungen, Fachinputs.
Sozialer Mehrwert
Gegenseitige Unterstützung bei betrieblichen und persönlichen Herausforderungen.
Inspiration & Innovation
Neue Ideen entstehen, werden gemeinsam getestet und weiterentwickelt.
Konkreter Anlass eines Treffens
- Hofbesuch bei einem Mitglied: Rundgang und Arbeit am gemeinsam vereinbarten Thema.
- Leitfragen: „Was können wir von dir lernen?“ und „Wo können wir dich als Gruppe beraten?“
- Dauer: entscheidet jede Gruppe selbständig (2 Stunden bis Tagesanlass).
Umsetzung
- Setting: Minimum 6 Personen. Ab 20 Personen organisatorisch anspruchsvoller, aber möglich.
- Treffen: In den ersten 2–3 Jahren mindestens 3–4 Treffen pro Jahr, danach kann sich die Anzahl der Treffen reduzieren und wird weiterhin von Bio Suisse finanziert.
- Themen: Werden von den Teilnehmenden bestimmt. Jedes vierte Treffen verfügt die Gruppe über ein Budget, um externe Expert/-innen aus Forschung oder Beratung einzuladen.
- Anmeldung: Organisation durch die jeweilige Gruppe.
- Neuen AK bilden: Erfolgt auf Initiative der Landwirt/-innen. AK-Leitung muss die zweitägige Ausbildung von ProBio absolviert haben und sich bereiterklären, den neuen AK zu leiten.
Zuständigkeiten
AK-Leitung
- Koordiniert die Gruppe, stimmt Inhalte mit Betriebsleitenden ab und moderiert die Treffen.
- Bringt eigene Erfahrungen/Fachwissen ein; muss keine Fachexpertise haben.
- Nimmt am Jahrestreffen der AK‑Leitenden teil.
- Absolviert eine zweitägige Ausbildung zur Leitung und Moderation.
AK-Mitglieder
- Keine formalen Vorgaben; die Gruppe definiert Teilnahme und Spielregeln selbst.
Bio Suisse / ProBio
- Finanziert AK und bildet Leitende aus.
- Organisiert das Jahrestreffen der AK-Leitenden zum Erfahrungsaustausch und Weiterbildung in der Leitung/Moderation.
- Vernetzt AK untereinander und mit Beratung & Forschung.
- Sichert Qualität mit pragmatischem Rahmen statt striktem Controlling.
Kosten
Abrechnung & Qualitätskontrolle
ProBio führt kein Controlling der AK.
Die AK-Leitung reichen jährlich die Rechnungen an die Programmverantwortlichen ein und informieren über die Anzahl Treffen und behandelten Themen.
Zudem bietet das Jahrestreffen Raum für den Austausch von Erfahrungen.
Erfahrungen
Was funktioniert gut?
- Leitungsmodell durch Landwirt/-innen ist wirksam und beliebt. Es gibt AK, die seit dem Beginn des Projekts bestehen – teilweise mit der gleichen Leitung. Einige koordinieren zwei AK.
- Niederschwelliger Zugang zur Teilnahme.
- Erfahrungsaustausch und gegenseitige Unterstützung innerhalb des Arbeitskreises.
Was sind Herausforderungen?
- Genügend Leitende finden: Zeitressourcen sind knapp, Leitungsaufgaben kommen zur Hofarbeit hinzu.
- Die Teilnahmen an den AK ist kostenlos. Dies könnte als Konkurrenz zur klassischen Beratung betrachtet werden. Es gibt deshalb mit einigen Kantonen Abkommen, damit die AK über die kantonale Beratung laufen.
- Synergien mit Organisationen fördern, die Peer‑to‑Peer‑Ansätze stärken, u.a. um Doppelspurigkeiten zu vermeiden.
Kritische Erfolgsfaktoren
- Leitende Produzent/-innen gewinnen und befähigen.
- Verlässliche Finanzierung sicherstellen
Stärkung des Ansatzes?
- Solide zweitätige Ausbildung der Landwirt/-innen, welche die AK leiten möchten.
- Jahrestreffen der AK-Leiterinnen und Leiter (Erfahrungsaustausch und Weiterbildung): fördert die Qualität der AK, motiviert die Landwirt/-innen, weiterhin ihren AK zu leiten und ermöglicht den Programmverantwortlichen, einen Überblick über die Tätigkeiten und Entwicklungen der verschiedenen Gruppen zu erhalten und Herausforderungen frühzeitig abzuholen.
- Gute Zusammenarbeit mit Bio-Mitgliederorganisationen sowie motivierten lokalen Partnern (kantonale Beratungsdienste, Schulen u.a.)
Wichtigste Learnings
- Landwirt/-innen als AK-Leitung sind sinnvoll und wirksam. Dies soll gefördert und durch die Ausbildung gestärkt werden.
- Viele P2P‑Initiativen laufen parallel: Synergien suchen, koordinieren statt neu erfinden.
- Koordination sowohl inhaltlich als auch bei der Teilnehmendensuche aufbauen.
- Zentrale Fragen: Was braucht es, um P2P weiterzuentwickeln? Wo ist mehr Aktivität oder Fokussierung nötig? Wo besteht Sättigung?
- Nicht nur „technisch“ wertvoll: Die soziale Dimension ist zentral.
Zusatzinformationen
Die zweitägige Ausbildung zur Arbeitskreisleitung ist nicht nur für Knospe‑Produzent/-innen gedacht und kann auch von weiteren Interessierten besucht werden (u. U. mit Pauschale).

Kontakt
Impressum
Bilder: Ausbildung der zukünftigen ProBio-Arbeitskreisleitenden, Cernier (NE), Februar 2024, Thomas Alföldi, FiBL
Autorinnen:
- Manuela Bächtold, AGRIDEA
- Léa Sommer, Bio Suisse