Arbeitskreise, geleitet durch Beratungsdienst
INFORAMA Arbeitskreise
Die Arbeitskreise des Inforama sind ein etabliertes Angebot innerhalb der landwirtschaftlichen Beratung im Kanton Bern und bestehen seit rund 30 Jahren. Aktuell sind etwa 40 Arbeitskreise aktiv, verteilt über den ganzen Kanton. In festen Gruppen von 10 bis 16 Landwirtinnen und Landwirten finden jährlich dreibis acht Treffen statt, bei denen der Austausch auf Augenhöhe im Zentrum steht. Die Moderation und Koordination übernimmt jeweils eine Beratungs- oder Lehrperson des Inforama, während die Themen und das Programm von den Teilnehmenden bestimmt werden.
Die Treffen finden in der Regel auf einem Mitgliedsbetrieb statt und umfassen einen Betriebsrundgang, die Behandlung des gewählten Themas sowie einen Apéro. Einmal jährlich wird gemeinsam mit der Beratungsperson ein „Boxenstopp“ durchgeführt, bei dem Wunschthemen, Termine und Rahmenbedingungen festgelegt werden. Der Wissensinhalt entsteht primär aus dem Erfahrungsaustausch der Teilnehmenden; externe Referentinnen oder Referenten werden nur auf ausdrücklichen Wunsch beigezogen. Die Arbeitskreise stehen sowohl Betrieben aus der biologischen als auch aus der konventionellen Landwirtschaft offen.
«Wenn man als Moderator/-in nach der Meinung gefragt wird, muss man effektiv aus der Rolle aussteigen und klar sagen, dass es eine persönliche Meinung ist. Die Beratung hat im Arbeitskreis aber grundsätzlich die Rolle der Koordination und Moderation und lässt sich nicht in etwas „hineinziehen“.»
Technischer Mehrwert
Gemeinsame Diskussion und Erarbeitung praxisnaher Lösungen zu konkreten betrieblichen Fragen.
Sozialer Mehrwert
Die festen Gruppen fördern Vertrauen, Austausch auf Augenhöhe und ein tragfähiges Netzwerk unter Berufskolleginnen und -kollegen.
Selbstbestimmung & Verantwortung
Themen, Programm und Austausch werden von den Teilnehmenden festgelegt.
Konkreter Anlass eines Treffens
- Treffen auf dem Betrieb eines AK-Mitglieds (=Gastbetrieb) oder Besuch eines externen Betriebes.
- Betriebsrundgang.
- Behandlung des Themas, welches für das Treffen vorgesehen war.
- Ggf. Apéro (je nach Anlass und Betrieb).
Grundprinzip: Die Wissensinhalte und der Austausch kommt von den Teilnehmenden. In Ausnahmefällen und auf explizitem Wunsch der Teilnehmenden kann auch ein externer Referent eingeladen werden. Dies soll jedoch nicht die Regel sein.
Umsetzung
- Setting: Minimum 10 Personen, maximal 16 Personen bilden einen Arbeitskreis. Schnuppern ist für Interessierte möglich, es müssen jedoch alle Mitglieder damit einverstanden sein.
- Treffen: 4-8 Anlässe pro Jahr plus ein jährlicher «Boxenstopp» (zu Jahresbeginn oder -ende) mit der Moderator/-in (Inforama) zur Organisation im AK: Wunschthemen, Terminplanung, Festlegen von Regeln und Zielen, Zuständigkeiten und Funktionieren der Gruppe, Moderation.
- Themen: Inhalte und Programm werden von den Teilnehmenden festgelegt. Externe Fachpersonen können auf ausdrücklichen Wunsch der Gruppe beigezogen werden, sind jedoch nicht Bestandteil des Grundprinzips.
- Anmeldung: Interessierte Landwirtinnen und Landwirte melden sich beim Inforama. Die Teilnahme erfolgt in Absprache mit der bestehenden Gruppe oder im Rahmen einer Neugründung..
- Neuen AK bilden: Die Gründung eines neuen Arbeitskreises erfolgt bedarfsorientiert und kann sowohl von Beratungspersonen als auch von Landwirtinnen und Landwirten initiiert werden. Interessierte melden sich beim Inforama; entweder wird ein passender bestehender Arbeitskreis vermittelt oder bei ausreichendem Interesse eine neue Gruppe aufgebaut.
Zuständigkeiten
AK-Gastbetrieb
- Organisiert Betriebsrundgang
- Offeriert Apéro
- Ist «Chef» vom Anlass
AK-Mitglieder
- Bestimmung der Themen und des Programms.
INFORAMA
- Moderation und Koordination (Datum, Verschicken von Informationen, ggf. Einladen von externen Fachpersonen)
- Bewirbt die AK: Mund-zu-Mund Propaganda, Zeitungsartikel, Social Media Beiträge, Flyer, Website.
- Jährliche Kostenabrechnung (Beiträge, etc.)
Kosten
Erfahrungen
Was funktioniert gut?
- Hohe Motivation zur Diskussion und Teilen von Erfahrungen
- Betriebsrundgang hilft, in den Austausch zu kommen
- Apéro als Abschluss des Treffens fördert den sozialen Faktor zusätzlich
- Diskussion: Arbeiten mit Präsentationen, Flipcharts und Kärtchen
- AK-Whatsappgruppen in denen sich die Mitglider und Mitgliederinnen auch ausserhalb der Treffen austauschen können
- Regelmässiges Einladen interessierter Landwirt/-innen zum „Schnuppern“
Was sind Herausforderungen?
- Je nach Thema und Aktivitätsgrad der AK ist es schwierig, neue Mitglieder zu gewinnen.
- Herausforderungen in Bezug auf die AK Grösse. Bei kleinen AK (<10 TN) wirken sich Absenzen stärker aus (schwierig, in eine Diskussion zu kommen). Bei sehr grossen AK (>16 TN) ist es schwieriger, dass eine Vertrauensbasis entsteht. Teilweise werden sehr grosse AK in zwei AK aufgeteilt.
- AK die lange bestehen, neigen zum Teil dazu «einzuschlafen» (TN rutschen in eine Konsumationshaltung hinein).
Kritische Erfolgsfaktoren
- Vertrauensbasis, da auch sensible Daten und persönliche Themen besprochen werden. Dies wird begünstigt durch eine feste Gruppenzusammensetzung und Begrenzung der Gruppengrösse. Entscheide werden gemeinsam in der Gruppe beschlossen, und bevor ein neues Mitglied aufgenommen wird, kann er/sie an einem Anlass schnuppern kommen. Alle Mitglieder müssen zustimmen, dass das neue Mitglied aufgenommen wird.
- Klare Kommunikation und Klärung der Zuständigkeiten: Moderation, Koordination, Selbstverantwortung, Kosten, Adressen usw.
- Zeitpunkt des Anlasses: Saisonale Spitzen, Beachten der Stallzeiten. Dank der gemeinsamen Jahresplanung mit den Teilnehmenden («Boxenstopp»), können arbeitsintensive Zeiten gemieden werden. Ein Anlass kann auch verschoben werden, wenn sich alle auf einen Ausweichtermin einigen können.
- Selbstverantwortung: die Mitglieder sind zuständig für den Inhalt, das Programm, den Austausch, die Diskussionen
- Verbindlichkeit durch Beitrag pro Anlass (muss auch bezahlt werden, wenn nicht teilgenommen wird)
Stärkung des Ansatzes?
- Feste Gruppenzusammensetzung ermöglicht einen Austausch auf Vertrauensbasis („safe space“).
- Hohe Selbstverantwortung der AK-Mitglieder.
- Werbung: Positive Erfahrungen und Empfehlungen der Teilnehmenden sowie Zeitungsartikel mit Berichten.
Wichtigste Learnings
- Klare Kommunikation ist zentral.
- Klare Abgrenzung: Beratungs-/Lehrperson hat „nur“ die Rolle der Moderation und der Koordination.
- Inhalt und die Motivation müssen von den Teilnehmenden kommen.

Kontakt
Impressum
Bilder: Dominique Dietiker, AGRIDEA (Titelbild); INFORAMA (weitere Bilder)
Autorinnen:
- Manuela Bächtold, AGRIDEA
- Christine Neubert, INFORAMA Bern