Asclepias syriaca: Erkennung und Management in der Landwirtschaft
Kontext
Asclepias syriaca (Seidenpflanze, auch Papageienpflanze) ist eine aus Nordamerika stammende, ausdauernde Staude. In der Schweiz gilt sie als invasive gebietsfremde Art; ihr Anbau ist gemäss Anhang 2.1 der Freisetzungsverordnung verboten.
Obwohl die Art hierzulande noch vergleichsweise selten ist, zeigen Meldungen von Info Flora, dass sie seit mehreren Jahren stabile und samenbildende Bestände im Tessin sowie nördlich der Alpen bildet. In den letzten Jahren wurden vermehrt neue Vorkommen registriert; aktuell sind rund 200 Populationen bekannt.
Die Pflanze tritt vor allem in extensiv bewirtschafteten Wiesen, an Strassen- und Bahnböschungen sowie vereinzelt auf Ruderalflächen und landwirtschaftlichen Parzellen auf. Ein Teil der Bestände dürfte auf frühere Zier- oder Nektarpflanzungen zurückgehen, die verwildert sind.
Diese Entwicklung zeigt, dass sich Asclepias syriaca erfolgreich etablieren und ausbreiten kann. Eine frühe Erkennung und rasches, koordiniertes Handeln sind daher zentral. Aufgrund ihrer hohen Regenerationsfähigkeit und Trockenheitstoleranz – Eigenschaften, die unter zukünftigen Klimabedingungen begünstigt sein könnten – besteht ein potenzielles Risiko für landwirtschaftliche Erträge und die Biodiversität.


Biologie und charakteristische Merkmale
Asclepias syriaca ist eine kräftige, mehrjährige krautige Pflanze und kann bis zu zwei Meter hoch werden. Charakteristisch sind breite, gegenständig angeordnete, fleischige Blätter mit filzig behaarten Blattunterseiten, die an kräftigen Stängel (bis etwa 1 cm dick) sitzen. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist der weisse, klebrige Milchsaft (Latex), der bei Verletzung austritt. Er kann bei Menschen Hautreizungen verursachen und ist für Nutztiere giftig, wenn grössere Mengen aufgenommen werden (glykosidhaltige Inhaltsstoffe).
Die auffälligen rosafarbenen Blüten erscheinen in der Schweiz ab Juni. Sie stehen in kugeligen Dolden und ziehen zahlreiche Bestäuber, darunter Bienen, an. Nach der Bestäubung entstehen 10–15 cm lange, grünliche Balgfrüchte, die an kleine Papageien erinnern. Ab Oktober öffnen sich diese und setzen zahlreiche leichte Samen mit seidigem Haarschopf frei, die vom Wind über weite Distanzen verbreitet werden.



Im Winter stirbt der oberirdische Teil ab. Die Pflanze überdauert dank eines tiefreichenden, stark verzweigten Wurzelsystems, das sich über mehrere Quadratmeter erstrecken kann. Diese kriechenden Wurzeln speichern Nährstoffe und tragen zahlreiche schlafende Knospen. Nach Schnittmassnahmen oder mechanischer Bodenbearbeitung treiben daraus rasch neue Sprosse aus. Die ersten Jungtriebe erscheinen meist im Mai und wachsen zügig zu hohen Stängeln heran.



Vermehrung und Ausbreitung
Asclepias syriaca verbreitet sich sowohl generativ über Samen als auch vegetativ über Wurzeln. Unter kontrollierten Bedingungen im Gewächshaus keimen die Samen gut, im Freiland sind Keim- und Etablierungsraten hingegen sehr gering. Eine erfolgreiche Ansiedlung gelingt nahezu ausschliesslich auf offenem Boden, etwa nach Bauarbeiten, Bodenbearbeitung oder auf Ruderalflächen; in dichten Wiesenbeständen oder bei starker Beschattung ist die Keimung deutlich gehemmt. Die generative Vermehrung spielt daher unter natürlichen Bedingungen in der Schweiz vermutlich nur eine untergeordnete Rolle.
Für die Ausbreitung in der Schweiz ist vor allem das weitverzweigte Wurzelsystem entscheidend. Dieses reagiert stark auf Störungen: Schnitte, insbesondere beim ersten Aufwuchs (Anfang Juni in tieferen Lagen), sowie Fräsen, Pflügen oder andere mechanische Eingriffe können die seitliche Ausbreitung fördern und schlafende Knospen aktivieren. Selbst kleine Wurzelstücke sind in der Lage, neue Pflanzen zu bilden. Auch der Transport von kontaminierter Erde oder nicht gereinigten Maschinen kann neue Befallsherde verursachen. Da der Grossteil der Biomasse unterirdisch liegt und die Wurzeln oft weit über die sichtbaren Triebe hinausreichen, können Bestände bestehen oder sich ausdehnen, obwohl oberirdisch nur wenige Stängel erkennbar sind. Diese «unsichtbare» Ausbreitung macht die Art besonders schwer kontrollierbar.
Auswirkungen auf Landwirtschaft und Umwelt
Ein unbehandelter Befall kann erhebliche Folgen haben. Asclepias syriaca konkurriert stark um Licht, Wasser und Nährstoffe und kann dadurch zu potenziellen Ertragsverlusten in landwirtschaftlichen Kulturen führen. Auch in ihrem nordamerikanischen Ursprungsgebiet gilt sie als problematisches Unkraut, insbesondere in Mais, Soja, Sorghum und Getreide. Zudem enthält die Pflanze einen giftigen Milchsaft, der für Weidetiere gefährlich sein kann und beim Menschen Hautreizungen verursacht. Beobachtungen im Tessin zeigen, dass Rinder die Pflanze auf der Weide meiden.
Darüber hinaus sind auch extensive Wiesen und Biodiversitätsförderflächen gefährdet (Abbildungen 5 und 6). Asclepias syriaca ist gegenüber einheimischen Arten sehr konkurrenzstark und kann im Laufe der Jahre dichte, geschlossene Bestände bilden. Zusätzlich stellt sie für Gemeinden eine Herausforderung dar, da sie sich entlang von Verkehrswegen etablieren und von dort aus in angrenzende landwirtschaftliche oder naturnahe Flächen ausbreiten kann.


Video zur Beschreibung und Auswirkung der Art.
Früherkennung und erste Massnahmen
Wird Asclepias syriaca auf einer Fläche festgestellt, ist ein rasches und koordiniertes Vorgehen entscheidend. Eine unvorsichtige Bodenbearbeitung kann dazu führen, dass Wurzelstücke verschleppt werden und sich der Befall dadurch rasch vergrössert. Dadurch würde sich die Situation zusätzlich verschärfen. Noch geschlossene Samenstände sollten sorgfältig entfernt und über den Hauskehricht entsorgt werden, da die Samen Kompostierungsprozesse überstehen und sich von Kompostplätzen weiterverbreiten können. Zudem empfiehlt es sich, das Vorkommen über geeignete Meldeplattformen wie beispielsweise InvasivApp zu erfassen und die zuständigen kantonalen Behörden zu informieren. So wird ein koordiniertes Vorgehen auf regionaler Ebene ermöglicht, um die weitere Ausbreitung der Art wirksam einzudämmen.
Management
Die Bekämpfung der Seidenpflanze ist anspruchsvoll, da ihr kräftiges Wurzelsystem auf Eingriffe häufig mit neuen Austrieben reagiert (Abb. 7). Um Asclepias syriaca wirksam einzudämmen und langfristig zu reduzieren, ist in der Regel eine Kombination mechanischer und – falls erforderlich – chemischer oder elektrischer Massnahmen über mehrere Jahre hinweg notwendig (vgl. Tabelle 1).
In kleineren Beständen kann eine sorgfältige manuelle Entfernung der Pflanzen erfolgreich sein, sofern möglichst grosse Teile des Wurzelsystems mit entfernt werden. Entscheidend ist jedoch die Wiederholung der Massnahme: Ein einmaliger Eingriff reicht nicht aus. Vielmehr sind während der gesamten Vegetationsperiode wiederholte Kontrollen und Nacharbeiten über mehrere Jahre erforderlich.
Auf Wiesen hat sich eine sehr häufige Mahd – mehr als acht Schnitte pro Jahr während einer Vegetationsperiode – als besonders wirksam erwiesen. Weniger intensive Mähregime mit weniger als vier Schnitten pro Jahr sind hingegen unzureichend und können die Ausbreitung sogar begünstigen. Ein klassisches Schnittregime mit drei bis fünf Nutzungen pro Jahr kann jedoch in Kombination mit einem gezielten Zurückschneiden der Austriebe zwischen den regulären Schnitten langfristig zu einer Schwächung des Wurzelsystems führen. Dieses Vorgehen erfordert allerdings Geduld und muss konsequent über mehrere Jahre umgesetzt werden.
In konventionell wirtschaftenden Betrieben kann der gezielte Einsatz von Herbiziden sinnvoll sein. Im Unterschied zu vielen anderen Problemunkräutern, bei denen Behandlungen erst im späteren Vegetationsverlauf besonders wirksam sind, reagiert Asclepias syriaca empfindlicher auf frühe Anwendungen. Besonders gute Wirkungen werden im Juni erzielt, vor allem in der Phase des Wiederaustriebs nach dem ersten Schnitt. In diesem Stadium sind die jungen, weichen Blätter gut benetzbar. Eine gezielte Applikation mit einer Spritzglocke verhindert Schäden an der umliegenden Vegetation und reduziert die Abdrift des Herbizids. Auch hier sind zur nachhaltigen Wirkung Wiederholungen über ein bis zwei Jahre erforderlich.
Auf Ackerflächen können mechanische Verfahren wie das Fräsen wirksam sein, insbesondere wenn sie bei trockener Witterung durchgeführt werden, sodass freigelegte Wurzeln an der Oberfläche austrocknen. Allerdings besteht ein erhebliches Risiko, Wurzelteile zu verschleppen und dadurch neue Befallsherde zu schaffen. Deshalb ist es zwingend erforderlich, Maschinen vor dem Verlassen der betroffenen Fläche gründlich zu reinigen. Die Reinigung sollte unmittelbar nach der Bearbeitung erfolgen und nicht erst am nächsten Einsatzort.
Tabelle 1. Empfohlene Bekämpfungsmethoden für Asclepias syriaca in verschiedenen Kontexten und je nach Grösse der betroffenen Flächen (in Kapitel 7 werden die Bekämpfungsmethoden im Detail vorgestellt).
| Anwendungskontext und Betriebstyp | Kleine Flächen | Grosse Flächen |
|---|---|---|
| Biobetriebe, Grundwasserschutzzonen (Herbizide verboten) | Manuelles Ausreissen oder Elektroverfahren |
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| Konventionelle Landwirtschaftsbetriebe (Herbizide erlaubt) | Manuelles Ausreissen oder Einzelpflanzenbehandlung mit Glyphosat |
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| Naturschutzgebiete (z. B. Biotope) | Manuelles Ausreissen oder Elektroverfahren |
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Bekämpfungsmethoden im Detail

Behandlung einzelner Pflanzen mit Glyphosat
Systemische Herbizide werden über die Blätter aufgenommen und in die unterirdischen Pflanzenteile transportiert. Dadurch werden diese sowie ihre Regenerationsfähigkeit geschwächt.
| Vorteile |
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| Nachteile |
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| Durchführung |
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| Tipps |
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Ausreissen
Manuelle oder mechanische Entfernung des Wurzelsystems. Bei kleinen Flächen (bis zu 5-10 m) kann auch ein Bagger eingesetzt werden.
| Vorteile |
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| Nachteile |
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| Durchführung |
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| Consigli |
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Fräsen
Es handelt sich um eine intensive Bodenbearbeitung, die es ermöglicht, das Wurzelsystem zu fragmentieren und die Regenerationsfähigkeit von Asclepias syriaca zu schwächen
| Vorteile |
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| Nachteile |
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| Durchführung |
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| Tipps |
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Intensive Mahd
Mechanische Entfernung des oberirdischen Teils und progressive Erschöpfung der Energiereserven des Wurzelsystems
| Vorteile |
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| Nachteile |
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| Durchführung |
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| Tipps |
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Elektroverfahren (Elektro-Unkrautbekämpfung)
Zerstörung der Wurzelgewebe durch Hochspannung.
| Wirkungsweise |
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| Vorteile |
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| Nachteile |
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| Durchführung |
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Prävention und langfristige Kontrolle
Prävention ist der wirksamste Schutz gegen Asclepias syriaca. Regelmässige Kontrollen der Flächen, insbesondere im Frühling, erleichtern die frühzeitige Erkennung neuer Austriebe. Situationen mit lückiger Grasnarbe oder offenen Bodenstellen sollten vermieden werden, da sie Keimung und Etablierung der Pflanze begünstigen. Auch nach einer erfolgreichen Bekämpfung sind über mehrere Jahre Nachkontrollen nötig, weil Asclepias syriaca aus tiefer liegenden Wurzelresten oder aus im Boden vorhandenen Samen erneut austreiben kann.
Video über das Management der Art.
Schlussfolgerungen
Asclepias syriaca ist eine invasive Pflanzenart mit hohem Ausbreitungspotenzial und ausgeprägter Regenerationsfähigkeit. Vor allem die vegetative Vermehrung über kriechende Wurzeln macht sie schwer zu bekämpfen. Eine frühe Erkennung, konsequente Prävention und ein mehrjähriges Managementprogramm sind entscheidend, um die Ausbreitung zu verhindern und Schäden in landwirtschaftlichen sowie naturnahen Lebensräumen zu begrenzen. Mit einem koordinierten und geduldigen Vorgehen können lokale Populationen jedoch erfolgreich kontrolliert und eine weitere Ausbreitung verhindert werden.
Impressum
Titelbild sowie Abbildungen 3a, 3b, 6, 9, 10, 11: L. Bernasconi, AGRIDEA
Abbildungen 1, 4a, 4b, 4c: A. Jousson, Agroscope
Abbildung 2: Info Flora
Abbildung 3c: B. Marazzi, Museo Cantonale di Storia Naturale
Abbildung 5: P. F. Alberto, AGRIDEA
Abbildung 7: V. D’Adda, Agroscope
Abbildung 8: M. Durini, Agroscope
Dieses Datenblatt wurde auf der Grundlage von Daten erstellt, die im Kanton Tessin versuchsweise und im Rahmen eines Forschungsprojekts mit dem Titel „Sharpening the tools to manage early-stage invasive plants in agriculture: a co-innovative case study based on Asclepias syriaca” gesammelt wurden. Das Projekt wurde vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), vom Büro für Natur und Landschaft des Kantons Tessin (UNP) und von der Abteilung für Luft-, Wasser- und Bodenschutz des Kantons Tessin (SPAAS) finanziert. Das Projekt wurde zusammen mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, Agroscope, AGRIDEA, dem Kantonsmuseum für Naturgeschichte Lugano (MCSN), InfoFlora und dem Pflanzenschutzdienst des Kantons Tessin durchgeführt.