Mastgeflügelbranche
Dieser Artikel beschreibt die Organisation der Mastgeflügelbranche in der Schweiz, von der Produktion bis zur Vermarktung.
Organisation der Mastpouletsbranche
Sowohl in der Schweiz als auch international dominiert das Modell einer integrierten Branche die Mastpouletsproduktion. Landwirte mit einem Geflügelstall haben einen Produktionsvertrag mit einer Mastorganisation (auch Integrator genannt). Diese grossen Organisationen decken in der Regel die gesamte Branche ab (vom Brutei bis zum Vertrieb), wie die folgende Abbildung zeigt (Abbildung 1). Sie verfügen über eigene Elterntiere, Brütereien und Schlachthöfe. Die Produzenten erhalten Eintagsküken, die sie dann während einer vom Integrator festgelegten Anzahl von Tagen mästen. Sie profitieren von einer Betreuung ihrer Aufzucht (Beratung in Bezug auf Fütterung, bewährte Praktiken und Hygiene) durch den Integrator. Diese Arbeitsweise lässt den Landwirten nicht viel Spielraum, garantiert ihnen jedoch im Voraus bekannte und vertraglich vereinbarte Verkaufsbedingungen für ihre Produktion.
Abbildung 1 – Organisation der Mastgeflügelproduktion in der Schweiz
Quelle : Aviforum
Die Produktion von Masthühnern wird überwiegend von Betrieben mit mehr als 2’000 Poulets gewährleistet. Im Jahr 2023 gab es 1095 Betriebe mit mehr als 2000 Hühnern (Durchschnittsbestand im Jahr 2023 gemäss der Tierzählung 2024, BFS, 2025). Diese Betriebe machen 82 % der Mastpouletsbetriebe in der Schweiz aus und halten 99,4 % des Bestands.
Schema der Schweizer Wertschöpfungskette Mastgeflügel
Abbildung 2 – Schema der Schweizer Wertschöpfungskette Mastgeflügel, 2024
Quellen: F. Gresset, AGRIDEA (Daten für 2024 gemäss Aviforum, BFS, Proviande und AGRISTAT)
Produktion
Die konventionelle BTS-Produktion dominiert bei Mastpoulets (91,4 % der GVE). RAUS- und Bio-Hühner machen nur 8,6 % der GVE-Hühner aus (Agrarbericht, 2025). Der geringe Anteil der Labels bei Hühnern lässt sich insbesondere durch die sehr unterschiedlichen Mastzeiten zwischen einem «Standard»-Huhn und einem Bio- oder RAUS-Huhn erklären, wie die folgende Tabelle zeigt (Tabelle 1). Die Mastzeit und die vom Label vorgeschriebene Rasse bestimmen die Anzahl der Umtriebe, die pro Jahr produziert werden können. Die Produktionskosten unterscheiden sich von System zu System erheblich, was hauptsächlich auf den deutlich höheren Futterverbrauch in Betrieben mit extensiveren Rassen zurückzuführen ist. Dies führt zu höheren Preisen für den Verbraucher bei Hühnerfleisch mit Gütesiegel.
Tabelle 1: Verschiedene Arten von Hühnerfleisch, das in der Schweiz produziert wird
| Alter bei der Schlachtung* | Rasse | Ausläufe | |
|---|---|---|---|
| «Standard»-Poulet | 30 bis 36 Tage (je nach angestrebtem Verkaufsgewicht) | Standard | AKB (97,9 % der GVE erfüllen die BTS-Anforderungen) |
| IP-Suisse-Poulet | 35 bis 48 Tage | Halb-extensiv (zwischen konventionell und Bio) | Zugang zum Freiland, erfüllt jedoch nicht die RAUS-Anforderungen |
| «RAUS»-Poulet vom Typ Coop Naturafarm | 56 Tage | Extensiv | RAUS |
| Bio Suisse-Poulet | 63 Tage | Extensiv | RAUS |
Schlachtung und Verarbeitung
Integratoren
In der Schweiz sind Bell und Micarna die beiden wichtigsten Integratoren im Bereich Geflügelfleisch: Sie beliefern die grossen Einzelhandelsketten Coop und Migros (insgesamt rund 850 Produzenten, davon etwas mehr als 500 für Micarna). Neben diesen beiden grossen Verarbeitern gibt es noch Frifag (mehr als 120 Hühner- und Putenproduzenten), Kneuss (rund 90 Produzenten) und eine zu 100 % aus der Romandie stammende Gruppe, vertreten durch die Association des engraisseurs de volaille indépendants AEVI (20 angeschlossene Produzenten) mit den «Etablissements Fournier» als Verarbeiter mit Sitz in Perly (GE). Insgesamt stehen etwas mehr als 1000 Produzenten unter Vertrag.
Elterntiere und Brütereien
Laut den Integratoren werden Elterntiere nicht in der Schweiz gehalten. Alle Küken (100 %) werden jedoch in der Schweiz geboren, nachdem die Eier dorthin transportiert wurden (Suisse Garantie). Die Haltung von Elterntieren im Ausland ist eine mögliche Schwachstelle, da der Grenzübertritt im Falle von Tierseuchen problematisch ist.
Die grösste Brüterei der Schweiz produziert derzeit 25 Millionen Küken pro Jahr.
Schlachtungen
Micarna bleibt der grösste Hühnerproduzent, gefolgt von Bell. Frifag ist gemessen am Volumen der drittgrösste Integrator und produziert 90 % der Truthähne in der Schweiz.
Quelle: AGRISTAT
Die Schlachtzahlen sind in den letzten zehn Jahren stetig gestiegen (Abbildung 4). 2017 wurden neue Ausbeutefaktoren eingeführt, um genetische Verbesserungen, aber auch Verbesserungen in der Zerlegungstechnologie zu berücksichtigen. Aus diesem Grund war zwischen 2016 und 2017 ein deutlicher Anstieg des inländischen Geflügelfleischkonsums zu beobachten.
Betrachtet man nur Bio-Hühner, so machen diese etwa 3 % der Schlachtungen aus. Bell und Micarna verarbeiten und vermarkten mehr als 90 % der Bio-Hühner in der Schweiz.
Quelle: Proviande
Vertrieb und Konsum
Konsum von Hühnerfleisch
Geflügelfleisch nimmt mit 15,9 kg VG pro Kopf im Jahr 2024 den zweiten Platz im Fleischkonsum der Schweiz ein, hinter Schweinefleisch und vor Rindfleisch (Proviande, 2025). Im Gegensatz zu anderen Fleischsorten, deren Konsum stagniert oder zurückgeht, hat der Verbrauch von Geflügelfleisch in den letzten Jahren zugenommen (Abbildung 5). Zwischen 2010 und 2020 stieg der Verbrauch von Geflügelfleisch um 29 %.

Quelle: AGRIDEA nach Proviande
1 VG (Verkaufsgewicht): Äquivalent zum verkaufsfertigen Fleisch, relevant für die menschliche Ernährung, Einzelhandelszuschnitt. Die Differenz zwischen Schlachtgewicht und VG beträgt etwa 30 % (Zuschnittabfälle).
Vertrieb von Geflügelfleisch
80 % des Geflügels wird in Teilstücken verkauft.
Je nach Schlachtgewicht gibt es verschiedene Produktreihen bei Masthühnern (Aviforum, Interview).
- Poulets mit einem Verkaufsgewicht zwischen 450 und 850 g.
- Poulets der Größe 1: Dies sind Hühner, die im Alter von 30 Tagen geschlachtet werden («Grillhühner/Mistkratzerli») und als Ganzes verkauft werden. Ihr Verkaufsgewicht liegt zwischen 950 und 1100 g.
- Poulets der Größe 2: Hühner zum Zerlegen. Diese Poulets werden im Alter von 34 bis 38 Tagen geschlachtet und wiegen zwischen 1,85 und 2,2 kg Lebendgewicht. Um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden, soll der Großteil der Pouletsbrüste zwischen 130 und 160 g wiegen: Dies ist das meistverkaufte Produkt im Selbstbedienungsbereich.

Importe
Zwei Drittel des konsumierten Geflügelfleisches stammen aus einheimischer Produktion. Im Jahr 2024 wurden 54 836 Tonnen Geflügelfleisch (Tonnen Verkaufsgewicht VG) importiert (Proviande, 2025). Gemäss den Daten für 2023 (Aviforum nach OFDF, 2024) stammten 48 % der Importe von frischem und gefrorenem Hühnerfleisch aus Brasilien. Bei gefrorenem Fleisch dominieren die Importe aus Brasilien (84 %). Bei frischem Fleisch sind Ungarn, Frankreich und Deutschland die wichtigsten Lieferanten. Im Jahr 2024 machten die Importe von Geflügelfleisch 54 % aller Fleischimporte in VG-Tonnen aus (Proviande, 2025).
Fleischpreise
Der Preis für Geflügelfleisch im Einzelhandel variiert je nach Teilstück stark. Für die sehr gefragten Bruststücke sind Importe notwendig (77 % der Netto-Importmenge an Hühnerfleisch, Proviande 2025). Bei diesen Teilstücken ist der Preisunterschied zwischen konventionellem und Bio-Fleisch besonders ausgeprägt, wie die folgende Grafik zeigt (Abbildung 6).
Quelle: BLW, Bereich Marktanalysen
Quellen
- Agrarbericht 2025, www.agrarbericht.ch
- AGRIDEA et Aviforum, Aktuelles aus der Geflügelproduktion, Kurs 25.033, 7. Mai 2025
- Agristat, statistisches Monatsheft 2024-01, erschienen am 12.02.2024, 126 Seiten.
www.sbv-usp.ch > Services > Agristat – Statistik der Schweizer Landwirtschaft - Agristat, Statistische Erhebungen und Schätzungen über Landwirtschaft und Ernährung 2023, Kapitel 4 – Versorgungsbilanzen, erschienen 2024, 23 Seiten.
www.sbv-usp.ch > Services > Agristat – Statistik der Schweizer Landwirtschaft - Aviforum, Geflügelwirtschaft in Zahlen und Grafiken, 2024. www.aviforum.ch > Wissen > Zahlen, Fakten, Wissenswertes
- Baumann Jasmine, LID: Huhn und Ei gehören zusammen, aktualisiert am 11. Juni 2025 (aufgerufen am 1. Juli 2025)
- Bioaktuell.ch, Alle Küken leben, Fragen und Antworten. Letzte Aktualisierung der Seite: 06.11.2024, aufgerufen am 13.01.2025. Link zur Seite
- Bio Suisse, Richtlinien, Fassung vom 1. Januar 2025. www.biosuisse.ch > Unser Verband > Verbandsinformationen › Richtlinien
- BLV (2025): Tierische Nebenprodukte: Neue Bestimmungen ab dem 1. Januar 2026. Informationsblatt zu den wichtigsten Neuerungen. Link
- BLW, Fachbereich Marktanalysen: Eiermärkte. www.agrarmarktdaten.ch > Märkte > Eier
- BLW, Fachbereich Marktanalysen: Geflügelfleischmarkt.
www.agrarmarktdaten.ch > Märkte > Fleisch, Fleisch- und Wurstwaren - BLW, Aufschlag- und Verbilligungsaktionen Eier. Ausschreibungsbekanntmachung über Marktentlastungsmassnahmen für inländische Konsumeier im Jahre 2024. 8 März 2024, www.blw.admin.ch
- Boessinger M. et Hoffet F., AGRIDEA, Vergleichende Betrachtung zu Tierschutz und Tierwohl in der Fleischproduktion zwischen der Schweiz und ihren Importländern 2018. Link zum Herunterladen
- EDI (2011): Verordnung über tierische Nebenprodukte (VTNP). 916.441.22. Stand am 1. Januar 2026. https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2011/372/de
- EDI (2025): Verordnung über die Verwertung von tierischen Nebenprodukten als Futtermittel und als Dünger (VVTNP). 916.441.224.1. Stand am 1. Januar 2026. https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/2025/786/de?version=20251231
- GalloSuisse, Informationen zur Schweizer Branchenlösung Ausstieg aus dem Kükentöten: « Schweizer Eier ab 2025 noch nachhaltiger dank Branchenlösung für die Küken ». www.gallosuisse.ch > Hühner > Branchenlösung Küken
- Gloor Andreas, Aviforum: « Produktion, Import und Verbrauch von Eiern und Geflügelfleisch 2024 ». Schweizer Geflügelzeitung 4/25, Seiten 3-4
- Pillonel Ludovic, « La filière des poulets d’engraissement s’interroge sur ses perspectives d’avenir », in Agri, Seite. 15, 21. Januar 2022
- Proviande, Der Fleischmarkt im Überblick, 50 Seiten. Link zum Herunterladen
- Soja Netzwerk Schweiz, Jahresbericht 2023, 18. März 2024, 14 Seiten. Link zum Herunterladen
- Zimmerli Urs: «Tierische Proteine wieder in der Nutztierfütterung?» in UFA Revue, Seiten 32-33, 11/2022
Nützliche Links
- www.agrarbericht.ch
- www.agrarmarktdaten.ch
- www.aviforum.ch
- www.bfs.admin.ch
- www.bioaktuell.ch
- www.bio-suisse.ch
- www.blv.admin.ch
- www.gallosuisse.ch
- www.sbv-usp.ch
- www.sojanetzwerk.ch
- www.vsf-mills.ch
Titelbild: Proviande
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