Was bedeutet Permakultur in der Landwirtschaft?
Permakultur setzt sich aus den Begriffen «Permanent» und «Agrikultur» zusammen. Das Konzept wurde in den 1970-er Jahren von Bill Mollison und David Holmgren in Australien entwickelt. Permakultur nutzt natürliche Ökosysteme als Vorbild, um landwirtschaftliche Flächen resilient zu gestalten (Permakultur Institut, ohne Datum).
Stratifizierte Definition der Permakultur
Der Begriff Permakultur wird vielfältig genutzt. Um die verschiedenen Begriffsverständnisse einzuordnen, orientiert sich dieser Leitfaden an der stratifizierten Definition der Permakultur nach Ferguson und Lovell (2014).
Nach dieser Definition können unter dem Begriff «Permakultur» vier Themenbereiche verstanden werden:
- Internationale und regionale Bewegung: Umfasst die globalen, regionalen und lokalen Aktivitäten zur Förderung der Permakultur als soziale Bewegung und deren Verbreitung. Dazu gehören zum Beispiel Permakultur-Vereine, -Projekte und -Organisationen.
«Permakultur ist eine Bewegung, die zukunftsfähige, ökonomisch und ökologisch stabile Systeme schafft, in denen Menschen, Tiere und Pflanzen sich gegenseitig unterstützen, bereichern und fördern.» - Designsystem: Beschäftigt sich mit den Methoden und Techniken zur Gestaltung nachhaltiger und ökologisch integrierter Systeme. Dazu gehören die oft genannten Permakultur Prinzipien und Methoden wie die Sektoren- und Zonenplanung.
- Weltansicht (engl. Worldview): Bezieht sich auf die philosophischen und ethischen Prinzipien, die der Permakultur zugrunde liegen, einschließlich der harmonischen Integration von Mensch und Natur.
- Methodensammlung: Enthält spezifische Anbaumethoden und Techniken, die in permakulturellen Systemen angewendet werden, wie zum Beispiel Agroforstsysteme, kleinräumiger Gemüsebau, Baumscheibenbepflanzungen, Keyline Systeme und Waldgärten.
Nach dieser Theorie vertritt die soziale Bewegung die Weltansicht und verbreitet die zugehörige Methodensammlung und das Designsystem.
Permakultur Gestaltungsprinzipien
Für die Planung und die nachfolgende praktische Umsetzung können die 12 Gestaltungsprinzipien als Werkzeuge miteinbezogen werden. Die folgenden Prinzipien können auf alle Permakultur-Planungen angewendet werden, gross oder klein. Die Beispiele nehmen Bezug auf landwirtschaftliche Betriebe und sind als Anregung gedacht. Der Weiterentwicklung der Prinzipien sind keine Grenzen gesetzt.
| Gestaltungsprinzip | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Zonenplanung – Effizientes Energie Management 1 | Bestmögliche Nutzung der Energie im System | Die am häufigsten besuchten Plätze sind am nächsten am Wohnhaus, z.B. Hühnerstall |
| Sektorenplanung – Effizientes Energie Management 2 | Bestmögliche Nutzung der von aussen einströmender Energie | Lage am Wanderweg/ Strasse oder Miteinbezug von Wind und Wasser |
| Funktions-Management | Jedes Element erfüllt mehrere Aufgaben und jede Aufgabe wird von mehreren Elementen erfüllt | Wichtige Aufgabe: Nährstofflieferung für das Land: Hofdünger (Tiere), Gründüngung, Mulch. Element Gründüngung erfüllt die Aufgaben Nährstofflieferung, Diversifizierung, Durchwurzelung des Bodens, Insektennahrung, Lebensraum, organische Masse |
| Räumliche Ordnung | Jedes Element kommt an den Platz, an dem die meisten nützlichen Beziehungen zu anderen Elementen wirksam werden | Brunnen ist zentral zugänglich: Tränke, Waschen, Wasser füllen, Baden, Bewässerung,.. |
| Biologische Mitarbeiter einsetzen | Arbeitsplätze für Pflanzen, Tiere und Menschen einrichten. Bevorzugt vor den Maschinen | Beweidung statt Trimmern, Gründüngung statt Grubbern, gesunde Mikrobiologie im Boden statt Pflanzenschutz und Dünger, Nützlingsförderung für ein resilientes Ökosystem |
| Kreislaufwirtschaft | Möglichst kleine Kreisläufe schliessen (z.B. Nährstoffe, Wasser, Energie usw.) | Nährstoffkreisläufe geschlossen halten (z.B. durch eigene Futterproduktion und Aufbereitung und Verwertung von Hofdüngern) |
| Vielfalt als Prinzip | Vielfalt an Pflanzen, Tieren, Elementen, Beziehungen, Ernten usw. fördern | Verschiedene Betriebszweige, diverse Kundschaft, Mischkulturen, dynamische Agroforstsysteme, diverse Arbeiten |
| Nutzung diversifizieren | Möglichst kleine, möglichst intensive Flächen, möglichst grosse möglichst extensive Flächen | Intensive, kleine Gemüsefläche als Market Garden versus Extensives Agroforstsystem auf grosser Fläche |
| Sukzession fördern | Natürliche Abfolge von Pflanzengesellschaften zulassen und nutzen | Zeigerpflanzen erkennen: z.B. Brennnessel als Stickstoffzeiger Anhand von Pflanzenbestand, Bodenzustand erkennen: z.B. Verdichtungszeiger Breitwegerich in Weidefläche |
| Schichten / Stapeln | Elemente zeitlich, räumlich, Beziehungsmässig, schichten | Untersaat, Mietenkompostierung, Mischkultur, dynamischer Agroforst |
| Randzoneneffekte | Optimieren und nutzen | Waldränder, Wegränder, Zäune, Parzellenübergänge |
| Muster der Natur | Sprache der Natur verstehen und in die Planung miteinbeziehen | Keyline Systeme, Geologie berücksichtigen, natürliche Formen (z.B. Blattformen, Schneckenhaus, Topografie) beobachten und mit ausprobieren. |
Ethische Prinzipien
Dazu bilden folgende drei ethischen Grundsätze die Basis der Permakultur (Gampe, 2021, 33):
- Achtsamer Umgang mit der Erde (ökologische Komponente)
- Achtsamer Umgang mit allen Menschen (soziale Komponente)
- Faires Wirtschaften und Selbstbegrenzung (ökonomische Komponente)
Kernanliegen der Permakultur sind:
- Die Erhaltung und Wiederherstellung eines humusreichen Bodens als lebendiges Ökosystem (regenerative oder aufbauende Landwirtschaft)
- Sozial verträgliche Systeme die weder auf Ausbeutung der Landschaft, der Tiere noch des Menschen basieren
- Schaffung von Lebensräumen und Produktion von reichhaltigen und gesunden Lebensmitteln
Ergänzend zu den Prinzipien können folgende Leitsätze in der Planung hilfreich sein (Gampe 2021, 34):
- Langfristig statt kurzfristig
- Stabilität durch Vielfalt
- Optimieren statt maximieren
- Kooperation statt Konkurrenz
- Vom Muster ins Detail planen
- Lösungsorientiert sein
Anbaumethoden, Vermarktungsstrategien und Techniken
Folgende Systeme und Methoden verfolgen permakulturelle Ansätze. Sie können Vielfalt und Resilienz auf dem Betrieb fördern (Liste nicht abschliessend).
| Methode / Techniken | Beschreibung | Literatur und Links |
|---|---|---|
| Agroforst | Gehölze/Bäume integriert in landwirtschaftliche Flächen | – www.agroforst.ch – www.agroforst-beratungsnetzwerk.de |
| Dynamischer Agroforst/ Syntropische Landwirtschaft | Diversifizierung der Gehölze in verschiedene Ebenen, Orientierung an der Sukzession, sowie deren Beschleunigung durch gezieltes eingreifen | – Buch: Dynamischer Agroforst – naturefund.de |
| Keyline | Bewirtschaftung durch Einbezug der Höhenlinien | – permakultur-plattform.de – www.keyline.com.au |
| Regenerative Landwirtschaft | Methoden zur Förderung des Bodenlebens, der Bodenfruchtbarkeit und der Biodiversität | – www.regenerativ.ch – www.agricultura-regeneratio.ch |
| Market Gardening | Intensiver Gemüsebau auf kleinen Flächen mit Einsatz von leichten oder keinen Maschinen | – themarketgardener.com |
| Vertragslandwirtschaft | Abnahme von landwirtschaftlichen Produkten werden im Vorfeld vertraglich festgelegt | – solawi-verband.ch |
| Solidarische Landwirtschaft | Direkte Zusammenarbeit zwischen Landwirt*innen und Konsument*innen | – www.solawi.ch |
| Selbsterntegärten | Der Konsument, die Konsumentin erntet selbst. Meist in einem Abo-System | – www.selbsterntegarten.ch – www.mein-hof.ch |
Titelbild: Selina Niederberger, Biohof Chrutig
Fachliche Mitarbeit:
- Melanie Alder, Kompetenzplattform Permakultur-Landwirtschaft
- Adrian Reutimann, BFH-HAFL